Donnerstag, 29. Juni 2017

Norwegens neuer Militärflughafen, Teil der strategischen Einkesselung Rußlands

Von Terje Maloy
Übersetzt von wunderhaft 


Die Militarisierung von Skandinavien. Massive Budgetüberschreitungen für neuen norwegischen Luftwaffenstützpunkt, dessen Gesamtkosten immerhin 5 Milliarden Dollar betragen könnten.


28. Juni 2017, Global Research
Die norwegische Luftwaffe befindet sich im Prozess der Umstrukturierung des operativen Zentrums ihrer Streitkräfte. Früher, während des Kalten Kriegs, befanden sich die Haupt-Luftwaffenstützpunkte in nördlichen Städten, wie Bodø und Adenes. Der neue Haupt-Luftwaffenstützpunkt wird in Ørland liegen, 500 Kilometer südlicher, in der Mitte des langestreckten Landes, am Eingang zum Trondheimfjord.

Die Gegend rund um den Fjord war für die Vereinigten Staaten von großem Interesse. Seit Januar ist eine Einheit der US-Marines in der Nähe, in Værnes, einem ehemaligen Rotations-Stützpunkt, stationiert. Die Größe der Einheit wurde auf nun 650 Marines verdoppelt. Das Marine-Corps ist von seinem neuen Stützpunkt begeistert und hofft ihn zu einer großen Drehscheibe für seine Truppen in Europa machen zu können. Unter anderem bietet die Gegend einfache Zugangsstraßen nach Schweden, wo diese Truppen im September dieses Jahres an einem militärischen Großmanöver teilnehmen werden.

Für Planer in Washington wird die skandinavische Halbinsel offenbar als strategisch wichtiges Gebiet angesehen, und sie widmen ihr ihre Aufmerksamkeit. Sie betrachten das Gelände des Stützpunkts als Teil der strategischen Einkesselung Rußlands. Von besonderer Bedeutung ist die Weiterentwicklung der Raketenabwehrsysteme, die rund um die russischen Grenzen errichtet werden.

Sowohl Dänemark als auch Norwegen tragen mit auf Fregatten stationierten, seegestützen Einrichtungen zum Raketenabwehrsystem bei. Ein weiterer Ort, an dem die Vereinigten Staaten wirklich gern einen Stützpunkt errichten würden, ist, wie vom Autor früher schon beschrieben, die schwedische Insel Gotland im Baltischen Meer.



Marines verlassen am 8. Mai 2017 den Eingang der Frigaard-Hohle, wo die Einheit Hunderte Fahrzeuge und anderes Gerät als Teil des norwegischen Bevorratungsprogramms des Marine-Ccorps lagert. (Quelle: Hope Hodge Seck/Military.com)
Diese Truppen sind Teil der Kampagne zur Militarisierung der skandinavischen Halbinsel. Eines der Hauptziele besteht darin, Schweden (und Finnland) zum NATO-Beitritt zu bewegen. Da dies nicht einfach ohne ein Referendum (was sie verlieren könnten) geschehen kann, hofft die Militärführung Schwedens und der NATO Schweden und Finnland in einem Umfang in NATO-Strukturen einbinden zu können, der den Unterschied zwischen formaler Neutralität und Mitgliedschaft in der Allianz nicht mehr erkennen läßt. Schweden sagte kürzlich, daß es wünscht der britisch geführten "Joint Expeditionary Force" beizutreten, was die schwedische Beteiligung an einem generellen Krieg in Europa alles andere als vermeidbar macht.

Die im Artikel erwähnten Orte: Evenes im Norden, Ørland im äußersten Westen, Verdal ein Stück weiter westlich von Ørland und Gotland im Süden. (Quelle: Midt i fleisen)
Im Mai war Ørland Schauplatz für das zweijärlich stattfindende Militärmanöver, “Arctic Challenge Exercise 2017”, an dem über 100 Flugzeuge aus 12 Nationen teilgenommen haben, einschließlich Kampfflugzeugen, Transportflugzeugen, Tankflugzeugen, AWACS, Hubschraubern und Flugzeugen für die elektronische Kriegführung. ACE "gibt den Teilnehmern die großartige Gelegenheit ein groß angelegtes Manöver realitätsnah durchzuführen." In diesem Jahr haben erstmalig US-Bomber vom Typ B-52H teilgenommen. Dies verdeutlicht nur, daß Nuklearwaffen integraler Bestandteil jeden künftigen Krieges sein werden. Einflußreiche norwegische Offiziere haben auch die Idee erörtert, daß norwegische Truppen sich in Zukunft mehr auf Nuklearwaffen verlassen sollten, was sich elegant mit dem Zweck der Anschaffung von F-35-Kampjets verbindet.

Die Gegend bietet verschiedene andere Vorteile. Sie kann über den See- oder Luftweg einfach über Atlantischen Ozean mit Nachschub versorgt werden, weil sie neben exzellenten Häfen, Zugang zu blauem Wasser und verschiedene gut ausgebaute Flugplätze bietet. Als historische Randbemerkung hat schon die deutsche Kriegsmarine die vorteilhafte Lage während der Besetzung zwischen 1940 und 1945 hervorgehoben. Albert Speer hat geplant die große Stadt und Marinebasis, "Nordstern", auf der Südseite des Fjords zu errichten, aber der Plan schaffte es nicht vom Reißbrett, weil das wechselhafte Kriegsglück seine Umsetzung unrealistisch werden ließ.


"Die Zeit ist auf ihrer Seite"

Einer der Hauptgründe für die Expansion des Stützpunkts ist, daß Norwegen 56 Jets vom Typ “F-35 Lightning” von Lockheed Martin gekauft hat. Die Kosten des Handel wurden ursprünglich mit 18 Milliarden Norwegischen Kronen beziffert, jedoch stellte sich schnell heraus, daß die tatsächlichen Kosten sich auf 62,5 Milliarden NOK (7,5 Milliarden Dollar) belaufen würden. Nach offiziellen Schätzungen betragen die Kosten für ihre gesamte "Lebensdauer" 248 Milliarden NOK (29 Milliarden Dollar).

Nicht einkalkuliert oder gut versteckt vor den Prüfern blieb das Erfordernis zum Bau eines neuen Luftwaffenstützpunkts zur Unterbringung dieser Flugzeuge. Im Jahr 2012 fiel die Wahl auf Ørland mit einer Preisvorstellung von 5 Milliarden NOK, obwohl diese Summe von einigen Experten als zu optimistisch angefochten worden ist. Die ältere Basis in Bodø wurde als nicht ausbaufähig betrachtet, (aber möglicherweise hat Washington auch hier ein Wörtchen mitgeredet). Im Jahr 2014 hatte sich der Preis bereits verdoppelt, auf nahezu 11 Milliarden NOK (1,3 Milliarden Dollar). Im April 2016 war klar, daß er 18 Milliarden NOK (2,1 Milliarden Dollar) kosten würde. Laut dem unabhängigen Experten, Cato Monrad, können die Kosten gut auf "über 25 Milljarden NOK (3 Milliarden Dollar) steigen, und das ist erst der Anfang". Er schreibt:
Beginnen wir mit dem Anfang: Man weiß bereits im Voraus, daß das Parlament niemals eine Investition von 40 Milljarden NOK (4,7 Milliarden Dollar) billigen würde, wenn es eine bessere Alternative gibt. Also benötigt man einen Plan...

Um ein politisches Ziel zu erreichen, daß ökonomisch keinen Sinn ergibt [...] werden Budgetüberschreitungen auf verschiedene Arten erklärt oder umgedeutet: unerwartete Ausgaben, eine veränderte Sicherheitssituation, strengere Umweltauflagen, neue Anforderungen der NATO, etc. Ein gern gebrauchter Satz lautet: ´Der Verteidigungsminister hatte keine Informationen über die gestiegenen Kosten und kann daher nicht für die Budgetüberschreitungen verantwortlich gemacht werden.´ Außerdem ist die Zeit auf der Seite des Verteidigungsministeriums.
Das Verteidigungsministerium bemüht sich diese Vorwürfe von sich zu weisen und behauptet, die Kosten seien dem Parlament bereits bei der desseb Entscheidung bekannt gewesen.

In der Tat könnten Zyniker sagen, daß das Überschreiten der Kosten durch eine freie Finanzierung aus Staatsfonds mit einem geschätzten Wert von 1 Billion Dollar zu glätten dabei hilft sie weniger politisch bedeutsam zu machen.


AEGIS an Land oder nicht, “das ist kein Raketenabwehrschild”

Der Ort liegt generell außerhalb der Reichweite der russischen Iskander-Raketen (Reichweite: 500 Km), aber Raketenangriffe gegen den Luftwaffenstützpunkt sind zweifelsohne eine Sorge der Planer. Der Ort gibt ihnen vielleicht die Hoffnung genügend Reaktionszeit bei ankommenden Raketen im Kriegsfall zu haben. Zumindest scheint das die offizielle Begründung zu sein.

Die norwegischen Verteidigungskräfte betrachten Ørland aös einen der natürlichsten Orte für die Stationierung der kürzlich angekündigten Langstreckenraketen zur Luftverteidigung. Ein anderer natürlicher Ort ist Evenes, eine andere, 500 Km. weiter nördlich gelegene Luftwaffenbasis, ganu in der Nähe eines anderen großen künftigen Stationierungsortes für US-Truppen und ein hoch militarisiertes Gebiet.

Der norwegische Oberbefehlshaber, Haakon Bruun-Hanssen sagt:

Haakon Bruun-Hanssen, norwegischer Oberbefehlshaber (Quelle: NATO)
"das ist kein Raketenschutzschild. Wir sprechen über Luftverteidigung zum Schutz unserer Stützpunkte, die für all unsere Operationen wichtig sind. Ebenso werden sie dieselben Gebiete schützen, die für den Erhalt alliierter Unterstützung wichtig sind."

Den Forscher, Ståle Henriksen, vom Forschungsinstitut der Regierung, NUKI, beschäftigt die Frage nach der Wahl des Systems.
Das herausfordendste System für die Russen wäre ein System, das in der Lage ist ihre strategischen Raketen in der Startphase auf ihrem Weg in die Vereinigten Staaten abzuschießen. Dies könnte das Luftverteidigungssystem AEGIS leisten, jedoch nur mit Langstreckenraketen und nicht mit dem Typ, der bereits auf den Fregatten montiert ist.
Die in Frage kommenden Fregatten tragen das wassergestützte AEGIS-System.

Im Ganzen scheinen die norwegischen Streitkräfte unter demselben aufgeblasenen Beschaffungsproblem zu leiden wie die Vereinigten Staaten, wo anscheinend selbst großzügige Finanzierung nicht zur erwünschten operativen Fähigkeit führt. Kostenüberschreitungen, schlechte Planung und auf sowohl nationaler wie internationaler Politik und Lobbyismus beruhende Anschaffungen stellen dauerhafte Probleme im Verteidigungssektor dar.

Die Landstreitkräfte haben ihre Ressourcen zu schnellen Eingreiftruppen mit alles anderem als dem Auftrag zur Landesverteidigung zusammengefaßt. Seit Mai dieses Jahres sind einige der Streitkräfte als Teil der multinationalen Truppe unter deutschem Kommando in Litauen stationiert (Hervorhebung hinzugefügt / Anm. d. Übers.). Das jüngste Abenteuer besteht offiziell darin Gruppen syrischer Oppositionskämpfer nahe der syrischen Stadt al-Tanf auszubilden.

Die Luftwaffe hat sich entschlossen mit dem Kauf dieser neuen, noch unerprobten 5. Generation von F-35-Jets alles auf eine Karte zu setzen

Das Ergebnis ist eine erzwungene Abhängigkeit von Expeditionskorps der Vereinigten Staaten. Seit norwegische- und NATO-Truppen operativ immer abhängiger voneinander werden, wird es immer schwieriger werden Forderungen der VS abzuweisen. Theoretisch schließt das sogar ein in eine durchsetzungsstärkere nukleare Stellung gezwungen zu werden.


(Alle in diesem Artikel zitierten Summen entstammen den Wechselkursen vom Juni 2017 und geben möglicherweise nicht die derzeitigen Kosten wieder.)

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Terje Maloy ist ein norwegisch-australischer Übersetzer und Blogger.

Dargestellte Abbildung: Norwegisches Kampfflugzeug F-16BMLU (Die Quelle ist Wikimedia Commons)


Quelle: http://www.globalresearch.ca/norways-new-air-base-part-of-the-strategic-encirclement-of-russia/5596555


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Zuletzt editiert: 29. Juni, 10:52 Uhr

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