Montag, 24. Juli 2017

Der "Tiefe Staat" Damals und Heute

Von Edward Curtin
Übersetzt von wunderhaft


[Anm: Bitte macht mich auf mögliche Verständnisfragen oder Fehler aufmerksam, die mir beim Gegenlesen und Korrigieren der Übersetzung dieses interessanten Artikels vielleicht entgangen sind. A.]

18. Juli 2017, Global Research
"...daher ist ein Verständnis der Gegenwart, innerhalb der herrschenden ideologischen Grenzen, eine der problematischsten Aufgaben, der sich der Verstand gegenüber sieht." – Frederic Jameson

Haben Sie je ein ein Photo von sich aus der Vergangenheit betrachtet und über die Art Ihrer Kleidung oder Ihre damalige Frisur gelacht oder das Gesicht verzogen? Das ist eine übliche Erfahrung. Aber einige Menschen ziehen hieraus offenbar den Schluß über die Gegenwart: daß unser derzeitiges äußeres Erscheinungsbild ähnlich lächerlich sein könnte. Die persönliche Vergangenheit scheint "dort drüben" zu sein. Eine Sache, deren Bedeutung verstanden und analysiert werden muß, während die Gegenwart undurchsichtig ist und ihre Gestalt zu verändern scheint – oder wir nehmen es einfach als gegeben hin, okay. "Das war damals",sagt die innere Stimme, "aber heute bin ich vernünftiger." Frühere Ansichten, selbst über so etwas oberflächliches wie das aüßere Erscheinungsbild, bereichern die Gegenwart selten, vielleicht weil sie uns selbst unwissend und unfrei fühlen lassen.

Das gilt umso mehr für die Politik- und Sozialgeschichte.

In vergangenen Jahren gab es eine Flut an Büchern und Artikeln, welche frühere kulturelle und politische Propagandabemühungen der CIA nach dem Kalten Krieg detailliert beleuchtet haben. Angefangen bei der Gründung des Kongreß für kulturelle Freiheit* mit seiner Serie an Magazinen, bis zu ihrer Zusammenarbeit mit vielen berühmten Schriftstellern und Intellektuellen, einschließlich Peter Matthiessen, George Plimpton, Richard Wright, Irving Kristol, et al., und ihrer Infiltration und Arbeitsbeziehungen zu so vielen Veröffentlichungen und Medienkanälen, einschließlich der New York Times, der Paris Review, der Encounter etc. Diese Auszüge zeigen wie umfangreich das Propagandanetzwerk der CIA über die Medien und die Welt gespannt war, und wie viele Menschen an dieser schmutzigen Arbeit beteiligt gewesen sind.

Joek Whitney erzählt diese skandalöse Geschichte erhellend detailliert in seinem jüngst veröffentlichten Buch : "FINKS - How the CIA tricked the World´s Best Writers" (das Word "tricked" verkennt die bereitwillige Komplizenschaft). Seine Darstellung ist informativ und zugleich ekelerregend, weil man lernt wie die CIA NGOs, das Fernsehen, Universitäten, Magazine, Zeitungen, Buchverlage etc. infiltriert und überall willige Kollaborateure findet – Gangster, die bereit sind selbst ihre Freunde auszuspionieren und genauso zu betrügen, wie sie die weltweite Öffentlichkeit getäuscht haben; wie wohlmeinende linke Schriftsteller, wie Ernest Hemmingway und Garcia Marquez, hereingelegt worden sind, um ihre Namen und Arbeit propagandistischen Werken zu verleihen; wie Linke mit großem Aufwand gegen Linke aufgehetzt worden sind, um Paranoia und Konfusion zu verbreiten, die dazu benutzt werden konnten die Sowjetunion in das schlechtest mögliche Licht zu rücken; und wie viele Frontorganisationen dafür geschaffenen worden sind, um als geheime Geldkanäle zur Unterstützung dieser Bemühungen zu dienen und Karrieren aufzubauen und zu zerstören. Diese Geschichte jagt Ihnen Schauer über den Rücken.

Aber das war damals. Was geschieht heute? Davon spricht Whitney nicht, weil er es vermutlich nicht weiß und keine dokumentierten Beweise hat, um Namen zu nennen. Das ist keine Kritik. Er sagt, daß "wir vage begreifen, daß unsere Medien nach wie vor mit unserer Regierung und der von ihr erklärten Außenpolitik verbunden sind", und fragt sich, ob die Ideologie, die hinter den Bemühungen der CIA gestanden hat, uns erhalten bleibt. (Mich erinnert das an Emersons Worte: "Was Du tust (oder nicht) spricht so laut für sich selbst, daß ich nicht hören kann was Du sagst.") Trotz der Verwendung ungenauer Begriffe, besonders des Wortes "vage", scheint es als meine Whitney, daß es heute ähnliche Propagandaaktivitäten gibt, weshalb ein Werbetext für "FINKS" (Verräter) auf der Website des Herausgebers* (OR Books) und bei amazon.com von James Risen von der New York Times, der zwei Bücher über die CIA geschrieben hat, so merkwürdig formuliert ist. Er lautet:
Es ist vielleicht schwer zu glauben, daß die intellektuelle Elite Amerikas einst tief in die CIA eingebettet war. Aber mit Finks erweckt Joel Whitney die frühen Tage des Kalten Krieges zum Leben, als die Verbindungen der Ivy League der CIA noch eng waren, und Schlüsselfiguren der amerikanischen Literatur bereit waren die Angebote der Spionage-Chefs der Nation im insgeheim anzunehmen.
"Schwer zu glauben." Für wen?

"Einst." Wann? In den schlechten alten Zeiten?

"Als die Verbindungen der Ivy League der CIA noch eng waren." Rekrutiert die CIA ihre Leute heute an kommunalen Hochschulen?

Sind das die guten alten Tage? Ein solcher Sprachgebrauch läßt einen staunen: handelt es sich nur um einen schnell dahingekritzelten Werbetext oder um sorgfältig ausgewählte Worte?

Die Zukunft ist jetzt

Zweifelsohne werden die Archive und die versiegelten Dokumente durch wiederholte Anfragen nach den Infomationsfreiheitsgesetz in dreißig oder vierzig Jahren zugänglich sein und ein Stöhnen und Jammern über die schlechten alten Zeiten wird in der Luft liegen. Wie haben sie solche Dinge tun können? Es ist schlicht ungeheuerlich! Aber das war damals. Heute ist es anders, wir sind älter aber vernünftiger.

Es fällt schwer ein zynisches Lachen zu verkneifen, also lasse ich es. Heute ertrinken wir offenbar in von den Medienunternehmen ebenso wie von den alternativen Online-Medien verbreiteter CIA-Propaganda. Man muß sich nur anschauen was sie tun oder eben nicht tun. Es ist in keinesfalls "vage". Aber es erfordert einen guten Willen und Liebe zur Wahrheit, woran es unbestreitbar mangelt. Ich komme später darauf zurück, warum dies ein Schlüsselthema ist.

Quelle: 21st Century Wire
In der Vergangenheit war einiges an Propaganda offensichtlich, anderes hingegen subtiler und indirekt. Dennoch ist sie unerbittlich. Mag es einen vergleichbaren Kongreß für kulturelle Freiheit geben oder nicht, doch in den Zeiten moderner Technologie und des Internet wird er nicht mehr gebraucht. Die Methoden mögen sich verändern, die Intention bleibt dieselbe. Was früher im Geheimen getan wurde, wird heute, wie ich im Januar geschrieben habe, offen getan: the deep state has gone shallow. Vor fünfzig Jahren hat die CIA den Begriff "Verschwörungstheorie" geprägt, um ihn als Waffe gegen die Wahrheit zur Diffamierung der Kritiker an der Ermordung Präsident John F. Kennedys, und denen an Malcom X, Martin Luther King und Robert F. Kennedy einzusetzen. Sämtliche Medien wiederholten die Linie der CIA. Während sie den Begriff weiterhin zur Diskreditieren und Anklage verwenden, ist ihre Kontrolle über die Mainstream Medien so vollständig, daß jedes Regierungsvergehen unmittelbar von ihnen sekundiert wird, egal ob es sich dabei um die Anschläge vom 11. September 2001, die Kriege gegen Afghanistan, den Irak, Syrien, Libyen, Yemen etc., den Putsch in der Ukraine, den Abschuß des malaysischen Passagierflugzeugs, Drohnenmorde, die Plünderung des amerikanischen Volkes durch die Eliten, angebliche Sarin-Gasanschläge, die Hetze gegen Rußland handelt – es ist egal worum es sich handelt. Die New York Times, die Washington Post, CNN, NPR, etc. – sie alle sind Stenographen für den Tiefen Staat.

Das Leugnen der existentiellen Freiheit

Eine der ersten Maßnahmen, die eine autoritär herrschende Elite ergreifen muß ist, die Menschen von ihrer Unfreiheit zu überzeugen. Das geschieht seit mindestens vierzig Jahren, seit der Aufdeckung der CIA durch die Kirchengemeinden, einschließlich ihrer Programme zur Bewußtseinskontrolle. Weil sich alle über die Offenbarungen empört haben, wurde eine andere Taktik angewandt. Laß nur "Experten", "Wissenschaftler" aus Soziologie, Psychologie und Biologie, endlos wiederholen, daß die Bewußtseinskontrolle nicht mehr angewendet wird, weil wir nun wissen, daß das Bewußtsein (oder der Verstand / Anm. d. Übers.) nicht existiert; es ist eine Illusion, von der aus alles ins Bewußtsein gelangt. Biologie ist Vorsehung, außer hinsichtlich der kulturellen Zerstreuung, bei der die Freiheit der Wahl gepriesen wird – z.B. die allerneueste Mode, die Gender-Identität (das sogenannte soziale Geschlecht / Anm. d. Übers.), die neuste Frisur etc. Schaffe aufwendige Finanzierungsprogramme zur Gehirnforschung, während eine umfangreiche Expansion pharmazeutischer Drogen propagiert wird, um die Menschen zu kontrollieren. Tu dies unter dem Deckmantel, den Menschen, die in ihrer Biologie verwurzelt und deren Kontrolle entzogen sind, bei ihren emotionalen Problemen und und Verhaltensstörungen zu helfen. Und schaffe Kriterien, um die Menschen davon zu überzeugen, daß sie krank sind.

Uns wurde endlos erzählt, daß unser Leben von unserem Gehirn (unserem Körper) abhängt und daß die Antwort auf die Lösung unserer Probleme in mehr Gehirnforschung, Medikamenten, genetischen Tests etc. liegt. Es ist kein Zufall, daß die US-Regierung die 1990er Jahre zum Jahrzehnt des Verhaltens-Projekts erklärt hat und unser gegenwärtiges Jahrzehnt der Kartographie des Gehirns und der künstlichen Intelligenz gewidmet ist, und vom Ministerium für Wissenschaft und Technologie und von der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA*) organisiert wird. Welch ein Zufall! Aber das ist Wissenschaft und dient dem Wohlergehen der Welt. Wissenschaft für Idioten.

Tröpfchen um Tröpchen haben hier und dort Artikel, Bücher und Medienberichte wiederholt, daß Menschen von biologischen, genetischen, sozialen und psychologischen Kräften geformt werden, über die sie keine Kontrolle haben. Anzunehmen, daß Menschen im Sinne Sartres frei sind (das Sein-an-sich, verdammt zur Freiheit oder Freier Wille) wurde zunehmend als wahnhafte Vorstellung eines völlig von der Wirklichkeit entfernt, in der Vergangenheit lebenden Narren, schlechten Philosophen, Wissenschaftsfeindes, kaum informierten Glaubensgenossen, ewig Gestrigen, Galliers und Basken betrachtet. Jemand, der die Wahrheit nicht eher begreift, bis er sie nicht in der New York Times liest oder bei CBS sieht.

Der konventionellen Propaganda wegen – fast hätte ich Vernunft gesagt – die durch jahrzehntelange mediale und akademische Wiederholung erzeugt wird, sind wir nicht frei. Lassen Sie es mich wiederholen: Wir sind nicht frei.

Der investigative Journalist, John Rappoport, hat die mit der Schaffung und Erweiterung des Diagnostic Statistical Manual (DMS) (entspricht dem 5. Kapitel des-ICD 10* / Anm. d. Übers.) mit seinen pseudo-wissenschaftlichen Unwahrheiten und geheimen Absprachen mit Psychiatrie und der pharmazeutischen Industrie verbundene Propaganda konsequent aufgedeckt. Wie er richtig hervorhebt, ist das MKULTRA-Programm der CIA zur Bewußtseinskontrolle in der modernen Psychiatrie aufgegangen, und beide verfolgen dasselbe Ziel, Menschen durch Ausschaltung und Kontrolle davon zu überzeugen, daß sie nicht frei sind und einer chemischen Gehirnwäsche bedürfen.

Kann irgendjemand, der sich dieser Geschichte bewußt ist, an einem versteckten Plan hinter dieser Entwicklung zweifeln? Wenn Sie Menschen erst einmal nachhaltig davon überzeugt haben, daß sie nicht frei sind, ist der Rest ein Kinderspiel.

Zu verängstigt, um die derzeitige Realität wahrzunehmen?

Es gibt viele exzellente Autoren, die sich der logischen Analyse bedient haben, um die offensichtliche Propaganda des Tiefen Staats und seiner Schreiberlinge in den Medien zu offenzulegen, weil sie Wahrheitssucher sind. Ihre Grundlagen sind genaues Lesen (eine Fähigkeit, die einst an Schulen gelehrt wurde) und geschichtliches Wissen, ohne auf Unterlagen zurückzugreifen, obwohl sie diese manchmal aus Quellen wie Wikileaks, Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetzt oder Whistleblowern aus der Regierung, wie Edward Snowden oder Chelsey Manning, erreichen. Wenn auch nicht immer, werfen viele dieser Analysen besorgniserregende Fragen auf, welche die von den Presstituierten behauptete unschuldige Objektivität Lügen strafen. Ihre Argumentation wird bloßgelegt, sodaß das Handwerk der CIA und des tiefen Staats durch sie hindurch scheint. Robert Perry, Michel Chossudovsky, Paul Craig Roberts, John Pilger, James Petras, David Ray Griffin, Graem MacQueen und viele andere haben die Propaganda dermaßen demoliert, daß sich die Frage stellt, warum so viele Liberale und linksorientierte Menschen sich weiterhin weigern deren offensichtlichen Wiederhall in den Ohren jener zu akzeptieren, die  mit den Machenschaften des Kongresses für kulturelle Freiheit zur gegenseitigen Aufhetzung von Linken und Liberalen durch Medienmanipulation vertraut sind. Während sich überall linke und rechtsextreme Kollaborateure tummeln und die CIA ihre Leute anscheinend überall in der Kultur- und Medienlandschaft platziert hat, ist mir klar, daß dort noch etwas anders mitspielt.

Bei der andauernden Propagande dreht sich so viel um den "Krieg gegen den Terror", der sicherlich ein Auswuchs der Anschläge vom 11. September 2001 ist, angemessen bezeichnet als ein wunderbares, regelmäßig untermauertes Beispiel für linguistische Bewußtseinskontrolle: ein ständiger Notfall, um Furcht, Depression, Panik und Verwirrung zu erzeugen, vier Symptome, welche die DSM-"Experten" und ihre Anhänger aufführen, um Individuen zu diagnostizieren und medikamentös zu behandeln. Der Begriff 9/11 wurde zuerst am 12. September 2001 in der New York Times von Bill Keller verwendet, der danach Chefredakteur der Times gewesen ist.

Douglas Valentine, ein wirklicher Experte für die CIA und Autor von The CIA as Organized Crime und The Phoenix Program, hat gezeigt, daß das hochgradig strukturierte Ermordungsprogramm in Vietnam – The Phoenix Program – die Vorlage für den "Krieg gegen den Terror" ist. In anderen Büchern hat er gezeigt, wie die Rolle der CIA beim Drogenhandel direkt mit dem eklatant gestiegenen Gebrauch von Heroin und anderen Straßendrogen, einer weiteren Art das Land unter Drogen zu setzen, verknüpft ist. Daher dauern die "institutionelle" Struktur und die konsequenten Praktiken einer der skrupellosesten Terrororganisationen des Tiefen Staats der Vereinigten Staaten (das Phoenix Programm) hier und im Ausland bis zum heutigen Tag an. Anzunehmen das das Handwerk der Agentur, das einst unter dem Banner des Kommission für kulturelle Freiheit stand, nicht bis heute ausgeübt wird, setzte eine extreme Naivität, die Unfähigkeit Schlüsse zu ziehen, geschichtliche Unkenntnis, klare Arglist oder eine Mischung all dessen voraus.
                      
Was mich zu der Frage zurückführt, warum so viele "liberale" Demokraten – deren Bibeln die New York Times, NPR, The Washington Post, Democracy Now etc. sind – Propaganda nur wahrnehmen können, wenn sie sie mit Donald Trump oder den Russen in Verbindung bringen können. Was hat diese Gruppe, gemeinsam mit ihren republikanischen Mitreisenden, dazu gebracht einen neuen McCarthyismus zu akzeptieren und sich selbst mit jenen Kräften des Tiefen Staats zu verbünden, über die sie einst so schockiert gewesen sind? Bestimmt ist es nicht die Politik der Trump-Administration oder seine schwadronierende Persönlichkeit, da diese Liberalen sich selbst mit Obama und seiner anti-Rußland-Rhetorik, seiner Unterstützung für den orchestrierten neo-faschistischen Putsch in der Ukraine, seiner Zerstörung Libyens, seinen Angriffskriegen im Mittleren Osten, seinem Krieg gegen den Terror, seiner 30 Billionen teuren Modernisierung von Nuklearwaffen, seinem Spaß an Drohnen-Morden, seiner Unterstützung des Staatsstreichs in Honduras, seiner Akzeptanz der CIA und seines CIA-Direktors John Brennan, seiner Verfolgung von Whistleblowern etc. verbündet haben. Dieselben Medien, die der CIA über Jahrzehnte so hilfreich gedient hatten, wurden für Liberale zum Inbegriff wahrheitsgemäßer Berichterstattung. Warum? 

Lassen Sie mich versuchen diese Frage mit dem Verwies auf zwei Artikel zu beantworten, die am 28. Mai 2017 nebeneinander im New York Times Magazin erschienen sind. Ihr Inhalt und Stil sowie ihr Nebeneinander regen zu einer Antwort bezüglich der schizoiden Feinheiten der Meister der Manipulation an, und zeigen wie kulturell-politische Propaganda, hinter den Titelseiten versteckt, funktioniert.

Die Titelgeschichte des Themas lautete: "Alleppo nach dem Fall", begleitet von den Worten, "Leben und Verluste inmitten der Ruinen des spaltenden und verheerenden Bürgerkriegs", und eine Photo aus einem zerstörten Stadtteil in Aleppo setzt den Akzent besonders auf das verlogene Wort "Bürgerkrieg". Der Krieg wurde im März 2011 von den Vereinigten Staaten/NATO/Israel unter Präsident Obama mit der Bewaffnung  islamistischer  "Freiheitskämpfern", in der Absicht begonnen, Präsident Bashar al Assad zu stürzen. Jedoch wurde den Lesern der Sunday morning Times, wie schon in den vergangenen sechs Jahren des Schlachtens, promt etwas anderes erzählt. Die meisten bemerken die Täuschung wahrscheinlich nicht und wenden sich dann der Inhaltsübersicht zu, wo ihre Augen ein Photo von Windbeuteln mit Kaffee erblicken.

Laßt uns vorstellen, daß unsere Leser, wie sie so an ihrem Frühstückskaffee nippen und an Windbeutel denken, sich vor dem Bericht über Aleppo von Robert Worth, einem Gastautor des Magazins, dem ersten großen Artikel widmen.  Es ist ein Bericht mit dem Titel "Imperium des Staubs" von Molly Young, ebenfalls eine Gastautorin. Es ist ein Artikel, der auf einen weiteren äußerst schwerwiegenden Verfall hinweist (nein, nicht auf den des amerikanischen Imeriums), ist es doch ein Artikel über Amanda Bacon und den Aufstieg der Wellness-Industrie. Ein Photo dieser "glückseligen" vierunddreißigjährigen unternehmerischen Gurvi, die in einem weißen Kleid, in halber Lotus-Position und umgeben von "magischen" Steinen auf einer Küchenarbeitsplatte aus Marmor sitzt, nimmt eine gesamte Seite ein.  Das Photo, ein barthischer* Vorbote, wenn es einen solchen je gegeben hat, dient deutlich dazu vom Klientel der Times auf die Geheimnisse des wunderschönen, luxuriösen und friedvollen Lebens einer bedeutenden Persönlichkeit mit exquisitem Geschmack entschlüsselt zu werden, jemandem, der fünf Dollar für eine Zeitung bezahlt und ein ausgeglichenes Leben führt. Ein lukullisches Leben in Selbstfürsorge und Eleganz. Bacons lichterfüllte Küche mit ihren marmornen  Arbeitsflächen – eine unabdingbare Voraussetzung für ein erfülltes Leben von heute – dient der üblichen Funktion der Elite, den Blick anspruchsvoller, vermögender Leser auf sich zu ziehen.

Wechselweise hündisch und kritisch, beginnt Young dem Leser zu berichten:
"Die viele Zeit, die ich mit der Suche und Einnahme von Ergänzungsmitteln der Alternativ-Medizin verschwendet habe, hat mich um mindestens 10 Prozent dümmer gemacht, und dieses Paradoxon blieb mir nicht verborgen. Dieser Impuls war es, der mich im vergangenen Jahr an einem  Süßwarenladen in Brooklyn Halt machen ließ, als ich einen Glastiegel mit der Aufschrift ´Brain Dust´ (Hirn-Staub) entdeckte."
Von dort führt uns Young nach Los Angeles, wo sie die Lifestyle-Gurvi, Bacon, interviewt, und wir hören von Geist-Staub, Schönheits-Staub, Sex-Staub, Vagina-Bedampfung, Geist-Trüffeln und dem vaginalen Sonnenbad, und nach Hamptons*, wo sie in einem Geschäft, das auch "Hundekuchen mit Boeuf bourguignon-Geschmack" anbietet, erneut auf Brain Dust stößt. Young, die das Goldene Dreieck – Brooklyn, L.A. und Die Hamptons – durchquert hat, erzählt uns wie Bacon ihre Phantasie gefangen genommen hat, auch wenn "sie selbst sich  dieser Einvernahme schämte". Sie trinkt Kaffe mit Macht-Staub mit dem Gründer von Moon Juice*, der ihr erzählt:
"Als ich in NYC aufwuchs wurde mir gesagt, daß ich unter Lernstörungen leide und psychisch krank sei. Das war der Hit in den 90ern."
(Vermutlich ist dem nicht mehr so.) Nachdem sie milde Kritik übt und schreibt, daß sie nach ihrem Besuch in Bacons Haus "nach Kalifornien fahren wolle, um Bienenpollen zu essen", bestellt sie Bienenpollen heimlich am Telephon und erzählt uns abschließend, daß die von ihr bestellten Bienenpollen von Moon Juice "in zwei bis vier Geschäftstagen ankommen würden". Der Lese bleibt mit der Frage zurück, wer, trotz oder wegen des Hirn Staubs, dümmer oder klüger ist.

Wer nun jedoch seinen Hirntod fühlt, kann zum nächsten Artiḱel blättern oder springen, einem Bericht von kosmopolitischer Bedeutung und dazu gedacht zu klären, wer die Guten und die Bösen im Mittleren Osten und speziell in Syrien sind.

Beim Aufblättern (Öffnen) dieses Artikels über Aleppo, einem Nebeneinander pornographischer Ausmaße, wird man von einem zweiseitigen Photo von völlig zerstörten Gebäuden begrüßt vor denen eine Frau ein Kleinkind in einem Kinderwagen schiebt und ein Mann der ebenfalls ein Kleinkind in einem mit Plastikfolie überdachten, provisorischen hölzernen Anhänger schiebt. Man blättert um von Sex-Staub zu Ekel (from sex dust to disgust) und Herzschmerz. Der Leser wird Schritt für Schritt zu einem Stück politischer Propaganda geführt, wie uns Robert Worth berichtet:
"Die syrische Tragödie begann in einem Moment von täuschender Einfachheit, als die friedlichen Demonstranten des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 dazu bestimmt zu sein schienen die Zukunft vererbt zu bekommen."
Schnell folgt dieser Lüge die Aussage, daß Assad "Anfang April chemische Waffen in Khan Scheikhoun eingesetzt habe". Eine Behauptung die durch keinerlei Beweise gestützt und, unter anderem, von Seymour Hersh klar widerlegt worden ist. Worth erzählt uns, daß "das syrische Regime (achten Sie auf das Wort Regime, ein Hauptinstrument der linguistischen Bewußtseinskontrolle) und seine russischen Verbündeten wiederholt Hospitäler und Wohngebiete bombardiert hat", und daß in den Vereinigten Staaten solche Aktionen "mit großem Bedauern als Kriegsverbrechen, vergleichbar mit den Massakern im Bosnien-Krieg in den 1990ern angesehen würden". Hier muß man Worth für eine meisterhafte doppelte Täuschung Anerkennung zollen. Erstens dafür, daß er die Syrer und Russen aber nicht die Vereinigten Staaten, der wiederholten Bombardierung von Hospitälern und Wohngebieten beschuldigt, und dann für die Überleitung zum "Bosnien"-Krieg, ohne die Verschwörung der US/NATO, zur Demontage Jugoslawiens durch Stellvertreter und der anschließenden massiven Bombardierung Serbiens sowie der serbischen Zivilbevölkerung, was klare, von dem liberalen, heiligen Bill Clinton begangene Kriegsverbrechen waren, auch nur zu erwähnen. Durch den gesamten Artikel hindurch beschuldigt Worth wiederholt die Regierung Assads Kriegsverbrechen begangen zu haben, während er die Vereinigten Staaten rein wäscht.

Unmittelbar nach seiner Behauptung von syrischen Kriegsverbrechen erzählt er den Lesern der Sunday Times:
"das Außenministerium hat Satellitenaufnahmen veröffentlicht, die darauf hinweisen, daß das Regime, vermutlich um Beweise zu vernichten, die Leichen exekutierter Gefängnisinsassen in einem Krematorium des Gefängniskomplex in Sednaya, nördlich von Damaskus, verbrennt."
Diese Aussage beruht auf einer völlig in Verruf gekommenen Behauptung von Amnesty International aus dem Februar 2017, und Worth, der weiß, daß es hierfür keinerlei Beweise gibt, benutzt gerissen die Worte "hinweisen" und "vermutlich". Aber neben Anschuldigungen von Kriegsverbrechen gesetzt, wird nur ein aufmerksamer, die Wahrheit suchender Leser diesen Tricks bemerken und bestimmt kein Time Magazine-Leser, der durch die tägliche Lektüre der Times bereits für den konstanten Strom an Regierungslügen empfänglich geworden ist. Bei dem Zitat aus einer Rede von Assad, in der dieser erklärte, daß es eine "große Verschwörung" zur Demontage und Zerstörung Syriens gäbe, weist Worth diese offensichtliche Wahrheit durch das Zitieren eines anonymen, ehemaligen Beamten des Regimes zurück (eine übliche Taktik), der erzählt, von der Rede schockiert gewesen zu sein. Worth merkt an, wenn Assad eine andere Rede gehalten hätte:
"wären die letzten sechs Jahre ganz anders verlaufen und Meere aus Blut wären der Welt erspart geblieben."

Das ist imperialistische Denkweise in Reinform, die hier gänzlich in einen ausführlichen Artikel des New York Times Magazine einfließt, der dazu gedacht ist, seine vermeintlich anspruchsvollen Leser aufzuklären und zu informieren.

Worauf ich mit diesen Zeitschriften-Beispielen hinweise ist, daß der alte, vom Kongreß für kulturelle Freiheit erfundene Trick, kulturelle Artikel neben politischen zu veröffentlichen, nach wie vor zur Anwendung kommt, selbst wenn der CCF oder seine Entsprechung nicht mehr existieren, weil sie nicht mehr benötigt werden. Analphabetismus ist zur Norm geworden und Dummheit regiert, weil die elektronische Revolution die Fähigkeit der Menschen zerstört hat, sich zu überhaupt oder lange genug auf etwas zu konzentrieren, um zu merken, daß sie von Propagandisten verschaukelt und vorsätzlich mit Informationen überschüttet werden, die dazu dienen ein Bedürfnis nach "Hirn-Staub" zu entwickeln. Das geschieht nun schon so lange, daß zuzugeben auf die Schippe genommen worden zu sein gleichbedeutend mit Leichtgläubigkeit ist und deshalb geleugnet werden muß. Das eine ist Politiker, die sie hassen, zu kritisieren – etwa George W. Bush und Donald Trump als liberaler Demokrat und Bill Clinton sowie Obama als konservativer Republikaner – und sie Lügner zu nennen, aber über die Tatsache nachzudenken, von der CIA durch all diese Häppchen belogen worden zu sein und zu erkennen, daß Ihre viel gepriesenen Nachrichtenquellen Stenographen der Nachrichtendienste sind, ist zu viel der Wahrheit. "Ich mag auf diesem Photo lächerlich ausgesehen haben, aber heute lebe ich damit und bin stylisch."

Sicher.

Alles ist heute zur Mode (zum Style) geworden und zweifelsohne hat die CIA gelernt, daß der Trick darin besteht die substantielle Wahrheit hinter dem Style zu verbergen. Beweise sind nicht sachdienlich. Behaupte Dinge in einem schicken Stil. Mache sie wiederholt geltend, selbst wenn sie sich als falsch und betrügerisch erwiesen haben. Bei Sex-Staub und Macht-Staub mag es sich um absurden Schwindel handeln, aber sie verkaufen sich. Sie stoßen auf ein "Bedürfnis", ein Bedürfnis, das von einer Gesellschaft geschaffen wird, die Macht verschlagen mit Sex gleichsetzt, für eine Bevölkerung, welche davon überzeugt worden ist beides nicht zu besitzen und Drogen benötigt, um ihrer habhaft zu werden. Einer Reportage über Hirn-Staub mag nicht die anziehende Kraft eines Interviews der Paris Review mit Ernest Hemmigway oder Boris Pasternach innewohnen, aber damals, als die Menschen noch wirkliche Literatur und nicht die heutigen Bestseller der New York Times gelesen haben, gab es halt noch keine "Lifestyle-Gurus". Die Propaganda bestand in jenen Tagen eher aus Literatur, die Substanz haben mußte. In einer "Wellness Kultur" muß sie stylish sein. Heute hören Sie das Wort Substanz, passender Weise, nur noch im Wort "substance abuse" (Drogenmißbrauch).

Die CIA ist im Styling Business tätig: sie sind oberflächlich geworden. Alle machen einen großartigen Eindruck dabei, zumindest meinen sie das.

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Edward Curtin ist Autor oft verlegter Werke. Er lehrt Soziologie am Massachusetts College of Liberal Arts. Seine Website ist: http://edwardcurtin.com/

Das dargestellte Bild stammt von Infowars


Quelle: http://www.globalresearch.ca/the-deep-state-then-and-now/5599916


Zusätzlich eingefügte Links:

Zuletzt editiert: 25. Juli 2017, 06:30 Uhr


Diese ca. 15,5 Normseiten umfassende Übersetzung wurde bis zum 1. August 2017 618 mal aufgerufen. Sie erhielt keinerlei Zeichen des Danks oder der Wertschätzung. 

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