Donnerstag, 12. Oktober 2017

Barnetts fünf Ströme der Globalisierung

Von Gearóid Ó Colmáin
Übersetzt von wunderhaft


[Anm: Der hier übersetzte Artikel stammt aus dem Januar 2016 und enthält eine kurze Einführung in ein Hauptelement der Theorie des Militärstrategen, Thomas P.M. Barnett, deren hier beschriebene Auswirkungen wir mittlerweile täglich zu spüren bekommen. A.]




21. Januar 2016, Gearóid Ó Colmáin
Wie der unabhängige, deutsche Videokanal, K-TV, aufgedeckt hat, geht die derzeitige Flüchtlingskrise auf eine Idee des oben erwähnten US-Militärstrategen, General Thomas P.M. Barnett, zurück. Barnett war strategischer Berater des ehemaligen Außenministers Donald Rumsfeld und arbeitet derzeit für das israelische Militärberatungsunternehmen, Wikistrat. Wikistrat arbeitet eng mit dem US Africa Command (Africom) zusammen. Barnetts Bücher, The Pentagon´s New Map und Blueprint for Action, hatten großen Einfluß auf die globalen geostrategischen Entscheidungen von US-Israel.

Die Arbeit von Barnett, eines ehemaligen Studenten von Vize-Admiral, Andrew K. Cebrowski, dem früheren Direktor des Büros für Transformation im US-Verteidigungsministerium, konzentriert sich, durch die gleichzeitige Verknüpfung ihres gegenseitigen Zusammenspiels bezüglich der größeren ökonomischen Realität der entstehenden Globalisierung als beherrschende Charakteristik der derzeitigen strategischen Umgebung[1] , auf die Integration von Cetrowskis Konzept der Netzwerk zentrierten Kriegsführung, Colonel Boyds Theorie des OODA-Loop* sowie Linds Kriegsführung der 4. Generation*.

Barnett unterteilt die Welt in ´funktionierenden Kern-Staaten´, ´nicht integrierte Lücken-Staaten´ und ´Saum-Staaten´. Die erste Kategorie der ´funktionierenden Kern-Staaten´ bestehen aus Nordamerika, Rußland, China, Japan, Südkorea, Indien, Australien, Neuseeland, Südafrika, Argentinien, Brasilien und Chile. Diese Volkswirtschaften integrieren sich aktiv in die Weltwirtschaft. Diese Kategorie ist in den ´alten Kern´, Europa, die Vereinigten Staaten und Japan, und den ´neuen Kern´ Brasilien, China und Indien unterteilt. 

Die zweite große Kategorie ist die ´nicht integrierte Lücke´. Sie besteht aus dem Karibischen Rücken, den südamerikanischen Andenstaaten, Afrika, Teile des Balkans, dem Kaukasus, Zentralasien, Südostasien und dem Mittleren Osten. Die dritte Kategorie besteht aus einigen Mitgliedsstaaten der ersten beiden. Diese Kategorie wird als Saum-Staaten bezeichnet, welche an die Lücke, wie etwa Indonesien, Thailand, Pakistan, die Türkei, Griechenland, Algerien, Marokko, Südafrika, Mexiko und Brasilien, umgeben,

Der ehemalige General des Pentagon hat die Theorie der ´fünf Ströme der Globalisierung´ entwickelt – fünf Ströme, die zustande kommen müssen, wenn der US-Zionismus die Welt regiert. Die beinhaltet den freien Fluß von Geld, Sicherheit, Nahrungsmitteln, Energie und Menschen. Die Theorie des ´freien Flußes´ bedeutet den Zerfall  nationalstaatlicher Strukturen, wodurch Ressourcen zur Plünderung durch multinationale US-Konzerne freigesetzt werden. Die Flutung Europas mit Migranten aus der südlichen Hemisphäre ist ein wesentliches Merkmal von Barnetts geostrategischem Denken. Deshalb wäre es falsch die Einwanderungskrise aus Libyen und Syrien als unbeabsichtigte Folge der NATO-Politik, wie eine unvorhersehbare Reaktion zu betrachten

Europas Spitzendemographen ist schon länger bekannt, daß die Länder der südlichen Hemisphäre eine starkes Bevölkereungswachstum erleben, und was das für Europas relative Bevölkerungsabnahme bedeutet. Der deutsche Soziologe und Demograph, Gunnar Heinson, hat ein bedeutendes Buch, Söhne und Weltmacht: Terror im Aufstieg und Fall der Nationen, zu diesem Thema veröffentlicht. In seinem Buch argumentiert Heinsohn, daß der Jugendboom (youth budge) der treibende Faktor hinter der europäischen Kolonialisierung und Welteroberung gewesen ist. Von 1900 bis zum Jahr 2000 ist die muslimische Welt von 150 Millionen auf 1, 200000 Menschen gewachsen, eine Steigerung von 800 Prozent. Er argumentiert, daß große Familien dazu neigen ´überflüssige´ Söhne zu zeugen, die in der Heimat keine Arbeit finden und auswandern.

Heinsohn behauptet, daß dieser Jugendüberschuß zu extremer Gewalt führen kann, da die jungen Männer, aus der Notwendigkeit für sich einen Platz in der Welt zu finden, oft dazu neigen sich in die Gewalt zu flüchten, um zu überleben. Dies ist einer der vielen Faktoren, die den Islamischen Staat antreiben. Jugendüberschuß bedeutet Hochkonjunktur für die imperialistischen Kaufleute des Todes, die jugendliche Wut und Haß für das Schüren von Stellvertreterkriegen gegen geopolitische Feinde nutzen. Heinson hat vorhergesagt, daß Europa ab dem Jahr 2015 mit Jugendlichen aus der südlichen Hemisphäre überschwemmt werden würde.

Der deutsche Soziologe merkt an, daß der Islamismus eher ein Instrument ist, daß unzufriedenen´überflüssigen´ Söhnen erlaube Völkermord zu rechtfertigen, als ihn als notwendige Religion zu betrachten. Mit anderen Worten wird der Koran, wenn der demographische Ausgleich stattgefunden hat, auf dem Gebrauchtbüchermarkt angeboten werden. Er führt die spanischen und portugiesischen Konquistadoren des 15. und 16 Jahrhunderts als Beispiel an, die zur Eroberung der Kolonien in der Neuen Welt töten mußten und die Bibel als bequemes Mittel benutzt haben, um sich selbst von Schuldgefühlen zu befreien.

Heinsohn merkt an, daß sich die europäische Einwanderungspolitik sich deutlich von der Kanadas, Australiens und Neuseelands unterscheidet. In Europa werden von den Einwanderern keinerlei Qualifikationen für den dortigen Arbeitsmarkt verlangt, während in Kanada und Australien diejenigen mit den besten Fähigkeiten den Vorrang erhalten. Das Ergebnis dieser Politik ist, daß 98% der Einwanderer in Kanada höher qualifiziert sind als die eingeborene Bevölkerung,
während in Europa nur 10% höhere Qualifikationen besitzen. Zur selben Zeit steigt der Prozentsatz an hoch qualifizierten Europäern, die den Kontinent in die englischsprachige Welt verlassen, in jedem Jahr kontinuierlich an. In dieser Hinsicht kann man die Logik hinter dem angelsächsischen Imperialismus verstehen, durch das Überschwemmen Europas mit un(aus)gebildeten Immigranten und das gleichzeitige Abziehen der Intelligenz und Fähigkeiten des Kontinents die anglo-amerikanisch-zionistische Vorherrschaft abzusichern. Es handelt sich um die Fähigkeit diese komplexen demographischen Umstände, auf welchen die Bedeutung von Thomas P.M. Barnetts bedeutsamer Strategie der US-Globalisierung beruhen, zu berücksichtigen.

In ihrem Buch, Weapons of Mass Migration: Forced Displacement, Coercion and Foreign Policy, erklärt Kelly M. Greenhill, daß einer der Gründe für Europas Annäherung an den lybischen Führer, Muammar Gaddafi, dessen Angebot war,
die Flut afrikanischer Flüchtlinge nach Europa aufzuhalten. Daher wäre es abwegig anzunehmen, daß das durch den Arabischen Frühling entstandene Chaos unbeabsichtigt gewesen sei. Während viele europäische Politiker die chaotische Migrationsflut nach Europa vielleicht hätten verhindern wollen, haben die imperialistischen Agenturen hinter dem Arabischen Frühling genau dies beabsichtigt.

Der Massen-Exodus von Migranten/Flüchtlingen ist ein zentraler Teil der Globalisierung des Klassenkampfs und im Einklang mit den langfristigen Zielen des Pentagon für globale Vorherrschaft oder "Full Spectrum Dominace". Womit wir es hier zu tun haben, ist eine sorgsam geplante Strategie des Chaos. Um es mit Shakespeare zu sagen, "ist dies schon Wahnsinn, aber es hat doch Methode".

General Barnetts Wikistrat hat sehr großen Anteil an der Entwicklung von Techniken von´Massenansammlungen´ und ´Massenprotesten. Der investigative Journalist, Andrey Fomine, hat unter Verwendung von Analysedaten der Russischen Akademie der Wissenschaften überzeugend nachgewiesen, daß die meisten der Tweets, die Flüchtlinge/Migranten in der Türkei dazu ermutigen nach Deutschland zu reisen, aus dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten und Australien stammen.

Wir werden hier Zeuge eines verdeckten Kriegs der angelsächsischen, zionistischen Elite gegen die Bundesrepublik Deutschland. Der niedrigschwellige Krieg benutzt Menschen als Waffen zur Erzeugung von sozialem Chaos, um eine Annäherung Berlins an Moskau zu verhindern. Die Migranten können sich eventuell nicht in die deutsche Gesellschaft integrieren und wenn die deutsche Wirtschaft sich nicht in Eurasien integriert, wird Deutschland keinen existenzfähigen Absatzmarkt für seine Exporte haben.

Barnett hat vorhergesagt, daß die muslimischen Immigrtanten in Europa ihre eigenen islamistischen Parteien gründen werden. In seinem Buch, Blueprint for Action, zitiert er aus Oliver Roys, Globalized Islam, in dem dieser erklärt, daß, während die muslimische Arbeiterschaft sich in der Vergangenheit marxistischen politischen Bewegungen angeschlossen hätten: "Existieren im Westen derzeit nur zwei radikale Protestbewegungen, die behaupten ´international´ zu sein: die Antiglobalisierungsbewegung und der radikale Islam. Um zu konvertieren muß ein Rebell einen Grund finden."

Beide dieser Bewegungen, die der ´Menschenrechte´ sowie die des ´Jihad´, stellen für die weltweite Ordnung belanglose, bürgerliche Einwände dar, und ohne eine wissenschaftliche Analyse der kapitalistischen Produktionsweise sind sie wohl nicht in der Lage diese Ordnung zu ändern. Aus diesem Grund werden beide von den Kräften unterstützt, die sie vermeintlich bekämpfen. Deshalb begrüßt Barnett diese Entwicklung:
Durch die Kanalisierung ihres Gefühls ihre mangelnden wirtschaftlichen und sozialen Teilhabe in politische Aktionen, erreichen die Muslime in Europa eine Verbindung zu den dortigen Regierungen, die ihnen beim Erhalt ihrer kulturellen Identität auf friedlichem Weg eine Integration in das politische Leben erlaubt. (S. 292)
Mit  anderen Worten werden diese Bewegungen dabei helfen die Globalisierung, den Imperialismus und den Klassenkampf zu steigern und weiter zu etablieren.
Im Fall von Europa ist das nicht nur ein politisches Ablaßventil für beide Seiten, sondern auch ein ökonomischen: Europa benötigt Arbeiter, um ihre rapide alternde Bevölkerung im Gleichgewicht zu halten, während der Mittlere Osten einer Möglichkeit bedarf sich einen Teil seines Jugendüberschusses zu entledigen. (S. 292)
Barnett sagt voraus, daß die Masseneinwanderung von Menschen aus dem Mittleren Osten nach Europa zu einer ´Wiederbelebung des Volkstums´ führen wird. Er macht geltend, daß ihre Einwanderung nach Europa eine paradoxe Haltung erzeugen wird, die muslimische Identitätspolitik ihrer Heimatländer mit den europäischen Bekehrungstätigkeiten für die Menschenrechte verbindet. Er schreibt:
Wenn also Muslime aus dem Mittleren Osten auswandern und nach Europa einwandern, werden beide Regionen auf absehbare Zeit islamistischer respektive europäischer, bis so viel Zeit vergangen ist, daß neue Regeln eine Entwicklung in Gang setzen, die fundierte soziale (familiäre Bande), ökonomische (Überweisungen) und letztlich politische Formen der Verbundenheit definiert. Während Angehörige  des Kerns sich auf  die Lücke zubewegen, werden Kern-Mächte gelegentlich gezwungen sein sich mit militärischen Mitteln zu verteidigen... eine weitaus stärkere Form politischer Verbundenheit geht von den im Kern lebenden Auswanderern aus, die innerhalb des Kerns leben und, als Antwort auf Instabilität oder politische Repressionen in ihren Herkunftsländern, in ihren Gastländern für dortige diplomatische oder militärische Intervention agitieren. Ein gutes Beispiel hierfür ist, in der Tat, die Rolle der irakischen Auswanderer im Jahr 2003 bei der Entscheidung der Vereinigten Staaten eine multinationale Koalition zum Sturz des Regimes von Saddam Hussein in diesem Land anzuführen. (S. 294)
Dies ist das große Bild der die Demographie, Religion und Ethnizität betreffenden imperialistischen Strategie. Ihre Kernfunktionen ähneln jedoch den imperialistischen Ideologien der Vergangenheit: Teile und herrsche über die Arbeiterschaft in der Welt sowohl durch religiöse und ethnische Sektiererei als auch durch kleinbürgerliche Werte, wie die Menschenrechte, und mache die Welt "sicher für Kapitalismus" und weltweite imperialistische Vorherrschaft.

Ein gegenwärtiges Beispiel für die Mobilisierung für imperialistische Interventionen in ihren Herkunftsländern durch Auswanderer haben in Deutschland im Jahr 2012 Demonstrationen von Eritäern gegen Präsident Issias Afwerki mit dem vorhersehbaren, von einer US-NGO inspirierten Slogen, "Down, down dictator", geliefert.

Barnett sagt voraus, daß Europa und Rußland im 21. Jahrhundert zerfallen werden, und den Vereinigten Staaten nur noch Indien und China als Konkurrenten verbleiben. Der US-Stratege ist der klaren Meinung, daß die durch Zwang initiierte Masseneinwanderung nach Europa, gemeinsam mit der amerikanischen Besetzung von Osteuropa und dem Balkan eine eurasische Integration verhindern wird, während die Absicherung der US/israelischen Kontrolle über Europa und die Eroberung Afrikas hierbei die weltweite US/israelische Vorherrschaft im 21. Jahrhundert etabliert.

Die Choreographie und Medialisierung der ´Refugees Welcome´ Kampagne hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit der ‘Je Suis Charlie’ Kampagne, die 30 Minuten nach den ersten Fernsehberichten über die Terroranschläge in Paris am 7. Januar 2016 gestartet wurde. Viele der Einwanderer erhalten von einer NGO namens w2eu, was ´welcome to EU´ bedeutet, Willkommensbroschüren voller Informationen. Das erinnert an das gewaltfreie Regelwerk des zionistischen Ideologen, Gene Sharp, das bei Trainingsaktivitäten für die von US/Israel geschürten Konterrevolutionen in Nordafrika im Jahr 2011 benutzt worden ist.


Cover image “The Pentagon” by David B. Gleason is licensed under CC BY-SA 2.0

[1] Barnett, Thomas PM, 2005, Blueprint for Action: A future worth creating, p.7, New York, Berkley Publishing Group

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Gearóid Ó Colmáin ist ein in Paris lebender irischer Journalist und politischer Analyst. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Globalisierung, Geopolitik und den Klassenkampf.

Quelle: http://www.gearoidocolmain.org/barnetts-five-flows-globalisation/


Anm: Alle mit einem * gekennzeichneten Links wurden zusätzlich eingefügt

zuletzt editiert: 13. Oktober 20017, 03:18 Uhr

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