Sonntag, 8. Oktober 2017

Von weltweiter Armut zu Ausgrenzung und Verzweiflung: Die Abwendug der Flut aus Krieg und Globalisierug

Von Prof. Michel Chossudovsky
Übersetzt von wunderhaft



"Die Soziologie der Justiz", das zeitgerechte Thema der diesjährigen Konferenz der philipinischen Soziologischen Gesellschaft in der University of the Philipines auf Cebu, muß im Verhältnis zu einer sich entfaltenden Neuen Weltordnung verstanden werden, welche souveräne Staaten durch Kriege und "Regime Change" zerstört.

Dies wiederum verarmt weite Teile der Weltbevölkerung durch das konkurrierende Auferlegen tödlicher, makrö-ökonomischer Reformen. Diese, auf Verarmung der Menschheit und Umweltzerstörung beruhende, Neue Weltordnung erzeugt soziale Apartheid, fördert Rassismus und ethnische Konflikte und untergräbt die Rechte von Frauen.

Der 7. Oktober 2017 ist der 16 Jahrestag der illegalen US-NATO Invasion in Afghanistan vom 7. Oktober 2001. Michel Chossudovsky, University of the Philippines, Cebu, October 7, 2017

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7. Oktober 2017, Global Research
Wir befinden uns an der Nahtstelle zu der ernsthaftesten Krise in der neueren Geschichte.

Im Bewußtsein der tragischen Ereignisse vom 11. September 2001, der größten Demonstration militärischer Macht seit dem 2. Weltkrieg, haben sich die Vereinigten Staaten auf ein militärisches Abenteuer eingelassen, das die Zukunft der Menschheit bedroht.

Krieg wird als friedensschaffendes Unternehmen dargestellt. Die Rechtfertigung für diese US-geführten Kriege ist die "Verantwortung für den Schutz" (R2P) mit Blick auf die Weltweite Erziehung zur "Demokratie" (im Trump-Stil).

Globale Kriegsführung erhält die neoliberale Agenda. Krieg und Globalisierung stehen in einem komplexen Verhältnis zueinander.

Womit wir es zu tun haben, ist ein imperialistisches Projekt, das weitgehend internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Interessen dient, einschließlich denen der Wall Street, des Militärisch Industriellen Komplexes, des Erdölkartells, der Biotech-Konglomerate, des Pharmakartell, der weltweiten Drogen-Konjunktur und der Medien- und Informations-Giganten.

Außerdem war die Invasion in Afghanistan vom 7. Oktober 2001, die auch ein Kennzeichen für den offiziellen Beginn des so genannten "weltweiten Kriegs gegen den Terror" ist, eine Folge des 11. September 2011, der als Rechtfertigung für US-NATO geführte Kriege und Interventionen im Mittleren Osten, dem südlichen Afrika, Zentralasien und Südostasien gedient hat.

Der Weltweite Krieg gegen den Terror ist ein Schwindel


Es ist hinreichend dokumentiert, daß Al-Qaida und ihre zahlreichen Abkömmlinge, einschließlich ISIS-Daesh Schöpfungen des US-Geheimdienstes sind.

Die vorbeugende Nukleardoktrin


In der Zwischenzeit hat sich mit der Einführung der Doktrin der präventiven Kriegsführung ein großer Wandel in der nuklearen Doktrin der Vereinigten Staaten vollzogen, namentlich hinsichtlich des Kriegs als Instrument zur "Selbstverteidigung". Die Ideologie der präventiven Kriegsführung gilt auch für die Anwendung von Nuklearwaffen auf präventiver Basis. Im Jahr 2002 hat die US-Regierung das Konzept des präventiven Nuklearkriegs auf den Weg gebracht, namentlich den Einsatz von Nuklearwaffen als Mittel zur Selbstverteidigung gegen Feinde von Amerika.

Die Trump-Administration bedroht die Welt offen mit Nuklearkrieg. Wie ist dem von der US-Administration hervorgebrachten diabolischen und absurden Vorhaben, "die Welt" durch den Einsatz von Nuklearwaffen gegen den Iran oder Nordkorea "sicherer zu machen", zu begegnen?

Wo ist die Friedensbewegung?


Seit dem Einmarsch und der Besetzung des Irak ist die Friedensbewegung tot. Es herrscht ein, oft von der Wall Street finanzierter, Stückwerk-Aktivismus, der sich in engen Grenzen auf Umweltsorgen, den Klimawandel, Rassismus und Bürgerrechte konzentriert. Andauernde Kriege und von den US-NATO begangene Kriegsverbrechen, als Teil einer vermeintlichen Agenda zur Terrorbekämpfung, sind nicht Gegenstand des öffentlichen Widerspruchs. Das Motto ist ein non sequitur*: "Wir sind Kriegsgegner, aber den Krieg gegen den Terror unterstützen wir".

Es herrscht Kriegspropaganda, wobei den Gräueltaten und Menschenrechtsverletzungen der US-NATO ein menschliches Gesicht verliehen wird. Im Gegenzug werden die Regierungen der Länder, die von der Aggression der Vereinigten Staaten betroffen sind, grundsätzlich beschuldigt ihre eigene Bevölkerung zu töten.

Die Desinformation der Medien stellt die Realitäten auf den Kopf. Nordkorea ist keine Bedrohung für die globale Sicherheit. Belgien hat mit seinen taktischen n 20 B61* unter nationalem Kommando ein größeres Atomarsenal als die Demokratische Volksrepublik Korea (mit angeblich 4 Nuklearbomben).

Diese Nuklearbomben vom Typ B61 in fünf nicht erklärten Kernwaffenstaaten (
Belgien, Niederlande, Deutschland, Italien, Türkei) sind sowohl auf Rußland als auch auf den Mittleren Osten gerichtet.


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Die Mainstream Medien haben es unterlassen die Öffentlichkeit davor zu warnen, daß ein von den Vereinigten Staaten geführter Nuklearangriff auf Nordkorea oder den Iran sich zu einem 3. Weltkrieg entwickeln könnte, der nach den Worten Albert Einsteins "endgültig" zur Vernichtung der Menschheit führen würde.

"Wir leben heute, mit dem Einsatz dieser Art von Waffen, in unmittelbarer Kriegsgefahr, und ich habe nicht den leisesten Zweifel daran, daß ein Angriff auf die Islamische Republik Iran durch die Vereinigten Staaten und Israel zwangsläufig zu einem Nuklearkonflikt führen wird.

In einem Nuklearkrieg bestünde der "Kollateralschaden" in der Vernichtung allen menschlichen Lebens. Laßt uns den Mut haben zu verkünden, daß alle nuklearen und konventionellen Waffen, alles, was dazu dient Kriege zu führen, verschwinden muß." (Fidel Castro Ruz am 12. Oktober 2015 im Gespräch mit Michel Chossudovsky,)

 "Ich bin [mir] nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“. (Albert Einstein)

Die Friedensbewegung ist tot, und der Nuklearkrieg erscheint nicht auf den Titelseiten.

Die Rechtfertigung für Amerikas langem Krieg besteht darin "die Welt sicherer zu machen".

Krieg wird als humanitäre Aufgabe dargestellt. Die weltweite Sicherheit erfordert es Al-Qaida zu jagen, als Teil einer vermeintlichen Terrorbekämpfungskampagne.

Die Welt wird verführt zu glauben, daß der Islamische Staat und Al-Qaida die Welt bedrohen. In Wahrheit sind Al-Qaida und all ihre Abkömmlinge ebenso wie der Islamische Staat (ISIS-Daesh) Geschöpfe des US-Geheimdienstes. Sie sind geheimdienstliche Vermögenswerte.

Wenn ein von den Vereinigten Staaten finanzierter Atomkrieg zu einem "Instrument des Friedens" wird, der von den Institutionen und den höchsten Verantwortlichen der Welt, einschließlich den Vereinten Nationen, verziehen und akzeptiert wird, gibt es kein Zurück: Die menschliche Gesellschaft ist kopfüber auf den Weg in die Selbstvernichtung geführt worden.

Vom Kolonialismus zum Postkolonialismus


Der Postkolonialismus ist eine Fortsetzung der Kolonialgeschichte, auf der Amerikas gegenwärtige imperiale Agenda beruht, und zwar weitgehend als Resultat aus Vertreibung durch und Niederlagen vor den Vereinigten Staaten der ehemaligen Kolonialmächte (wie bspw. Spanien, Frankreich, Japan und den Niederlanden). Dieses hegemoniale Projekt der Vereinigten Staaten besteht in der Umwandlung souveräner Staaten in offene Territorien, die von dominierenden ökonomischen und finanziellen Interessen kontrolliert werden. Bei der Durchführung dieses hegemonialen Projekts kommen Militär und Geheimdienste ebenso zum Einsatz wie ökonomische Instrumente.

Die unter den vereinheitlichten Kommandostrukturen der Kriegsteilnehmer, durch mehr als 700 Militärstützpunkte und -einrichtungen der Vereinigten Staaten gekennzeichnete Militarisierung unterstützt eine weltweite wirtschaftliche Agenda.

Außerdem werden diese Kriegseinsätze durch die makro-ökonomische Politik der Vereinigten Staaten unterstützt, die alle Arten von zivilen Ausgaben, zur Ermöglichung der für Amerikas Militärarsenal und Kriegsökonomie erforderlichen Finanzierung, einer strengen Sparpolitik unterwirft.

Militärische Interventionen und Regime Change-Initiativen, einschließlich von der CIA finanzierte Militärputsche und "Farb-Revolutionen", unterstützen die neoliberale politische Strategie, die weltweit allen verschuldeten Ländern auferlegt wird, erheblich.




Die Globalisierung der Armut


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Die "Globalisierung der Armut" ist im postkolonialen Zeitalter die direkte Folge der tödlichen makro-ökonomischen Reformen unter der Befehlsgewalt des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Die Institutionen von Bretton Woods* sind Instrumente der Wall Street und des Unternehmens-Establishments.

Der Werdegang dieser Reformen – die zu einem Prozeß der Restrukturierung geführt haben – ist von entscheidender Bedeutung. Die frühen 1980er Jahre markieren den Angriff des so genannten Strukturanpassungsprogramms* (SAP) unter Leitung des IWF und der Weltbank. "Politische Abhängigkeiten", die weitgehend gegen verschuldete Länder der Dritten Welt gerichtet sind, werden als Interventionsinstrumente eingesetzt, wobei die in Washington ansässigen International Financial Institutions* (IFI) ein Menü tödlicher wirtschaftspolitischer Reformen verhängen, einschließlich strenger Sparpolitik, Privatisierung, das Auslaufen von Sozialprogrammen, Handelsreformen, der Senkung der Reallöhne etc.

Anmerkenswert ist, daß in den 1980ern in den Vereinigten Staaten und Britannien, während der so genannten Reagan-Thatcher-Ära, ein paralleler Prozeß neoliberaler Wirtschaftsreformen angezettelt worden ist, der weitgehend sowohl aus Privatisierungsmaßnahmen als auch aus dem Abbau des Sozialstaats bestand.

Reformen nach der Ära des Kalten Kriegs


Eine zweite Phase der wirtschaftlichen Restrukturierung begann am Ende des Kalten Krieges mit der Verhängung drastischer Reformpakete über Osteuropa, das Baltikum und die Balkanstaaten sowie ebenso über die einzelnen Republiken der ehemaligen Sowjetunion (wie bspw. die Ukraine, Georgien, Aserbaidschan).

Gleichzeitig wurde den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in Westeuropa der Maastricht-Vertrag auferlegt, der 1993 in Kraft getreten ist. Was als Maastricht-Kriterien (oder EU-Konvergenzkriterien*) bezeichnet wird führte letztlich zur Bildung der Eurozone, die weitgehend aus der Verhängung der neoliberalen politischen Agenda der EU-Mitgliedsstaaten bestand. Diese Maastricht-Kriterien dienten auch dem Abbau der Souveränität der einzelnen Mitgliedstaaten.

Maastricht ist ein getarntes strukturelles Anpassungsprogramm (SAP). Insbesondere hat Maastricht und die darauf folgende Errichtung der Eurozone, durch das Verbot des innerstaatlichen öffentlichen Schuldenwesens als Instrument der nationalen wirtschaftlichen Entwicklung, zur Paralysierung der nationalen Geldpolitik beigetragen. Die Notwendigkeit einer strengen Sparpolitik unter den "Maastricht-Kriterien" schränkte die Fähigkeit der EU-Mitgliedsstaaten zur Finanzierung ihrer Sozialprogramme ein und hat zum allmählichen Untergang des Wohlfahrtsstaats der Nachkriegszeit geführt. Die öffentlichen Schulden werden, ebenso wie private Gläubiger, von der Europäischen Zentralbank (EZB) übernommen. Die langfristigen Folgen sind steigende Auslandsschulden sowie schärfere Schuldenkonditionen und Bedingungen für die Rückzahlung von Schulden aus den Gewinnen eines umfangreichen Privatisierungsprogramms.

Es muß erwähnt werden, daß diese Phase der Restrukturierung auch mit der Einführung der Welthandelsorganisation (WHO) im Jahr 1995 sowie des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) zusammenfällt, was einer dramatischen Veränderung der ökonomischen Landschaft Nordamerikas gedient und zum Niedergang des regionalen sowie der kommunalen Wirtschaftslebens in ganz Nordamerika geführt hat.

Im Gegenzug ging mit den 1990ern eine Erweiterung und Ausweitung der NATO einher, einschließlich massiver "Verteidigungsausgaben", die nicht Gegenstand der neoliberalen Sparpolitik gewesen sind. In  der Tat war das Gegenteil der Fall. Der Neoliberalismus speist den Militärisch Industriellen Komplex.

Was auf dem Spiel steht, ist die Umwandlung von so genannten entwickelten Ländern in "Entwicklungsländer", was zu Massenarbeitslosigkeit in zahlreichen EU-Staaten, einschließlich Spanien, Portugal und Griechenland, führt, deren Wirtschaft nun denselben IWF-ähnlichen Reformen unterworfen ist wie die, welche über Dritte-Welt-Länder verhängt worden sind. Das bedetutet, daß die Globalisierung der Armut ihre Klauen ausgeweitet hat, was nicht nur in den ehemaligen Sowjetrepubliken und auf dem Balkan, sondern auch in den so genannten einkommensstarken Ländern Westeuropas zur Verarmung führt.

Allgemeiner gesagt, sind die 1990er Jahre, mit dem "humanitären" Krieg gegen Jugoslawien, nach dem Kalten Krieg die Startrampe für die militärische Aufrüstung der NATO sowie ihrer Globalisierung über ihre nordatlantischen Grenzen hinaus gewesen.

Die Asien-Krise von 1997-1998 markiert, bezüglich der Möglichkeit durch spekulative Manipulationen an den Währungs- und Rohstoffmärkten die Binnenwirtschaft bestimmter Länder gezielt zu destabilisieren, ebenfalls eine wichtige Schwelle für das neoliberale ökonomische Gefüge. In dieser Hinsicht haben institutionelle Spekulanten nun die Möglichkeit die Preise von Grundnahrungsmitteln künstlich in die Höhe zu treiben oder den Rohölpreis zu erhöhen oder zu drücken.

Der globale Wirtschaftszweig der Billiglohnarbeit


Die, durch das Verabreichen starker "ökonomischer Medikamente" (politische Sparmaßnahmen, das Einfrieren von Löhnen, die Privatisierung, die Aufhebung von Sozialprogrammen) charakterisierte, neoliberale Agenda hat im Verlauf der letzten 30 Jahre die umfassende Verlagerung der Produktion in die Billiglohn-Oase (Niedrigglöhne) der Entwicklungsländer unterstützt. Sie hat ebenso der Verarmung der Entwicklungsländer als auch der entwickelten Länder gedient.

"Armut ist gut fürs Geschäft". Sie fördert das Angebot an billigen Arbeitskräften sowohl in der Industrie als auch in Bereichen des Dienstleistungsgewerbes.

Dieser globale Prozeß der ökonomischen Restrukturierung (der neue Höhen erreicht hat) vertraut auf die weltweite Absenkung von Löhnen und Arbeitskosten, während er zur selben Zeit die Kaufkraft Hunderter Millionen Menschen reduziert. Die hierdurch verursachte Konsumnachfrage ist letztlich der Auslöser von Rezession und Arbeitslosigkeit.

Die Niedriglohn-Wirtschaft wird von außerordentlich hohen Arbeitslosenzahlen unterstützt, die auch in Entwicklungsländern das Ergebnis der Zerstörung der regionalen und kommunalen Produktion ist, ganz zu schweigen von der Destabilisierung der bäuerlichen Landwirtschaft. Diese "industrielle Resevearmee der Arbeitslosen" (Marx) trägt dazu bei die Löhne auf ihrem äußerstes Minimum zu halten.

China ist mit 275 Millionen Wanderarbeitern (laut chinesischen Quellen) der wichtigste Zufluchtsort für die industrielle Montage unter Billiglöhnen. Ironischerweise sind die ehemaligen Kolonien des Westens, ebenso wie die Länder, die Opfer der militärischen Aggression der Vereinigten Staaten wurden (bspw. Vietnam, Kambodscha, Indonesien etc.), in Billiglohn-Oasen verwandelt worden. Die dort nach dem Vietnamkrieg herrschenden Verhältnisse sind weitgehend, mit dem Beginn der Umsetzung der neoliberalen Agenda in den frühen 1990er Jahren, instrumentalisiert worden.

Billig-Arbeit wird aus verarmten Ländern (Indien, Bangladesch, Philippinen, Indonesien) auch exportiert und sowohl in der Bauindustrie als auch im Dienstleistungsgewebe genutzt.

Hohe Arbeitslosenraten dienen dem Erhalt von Löhnen auf aüßerst niedrigem Niveau.


Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage


Diese Form der weltweiten ökonomischen Restrukturierung hat zu einem dramatischen Anstieg der Armut und Arbeitslosigkeit geführt. Während Armut ein Einfallstor für die von Arbeitgebern favorisierten niedrigen Löhne ist, führt die weltweite Wirtschaft der Billigarbeit unweigerlich zum Zusammenbruch der Kaufkraft, was wiederum die Arbeitslosenraten erhöht.

Billigarbeit und die Reduzierung der Kaufkraft das Standbein des Neoliberalismus. Der Übergang vom nachfrageorientierten Keynesianismus aus den 1970er Jahren zur neoliberalen makro-ökonomischen Politik der 1980er. Die weltweit angewandte neoliberale wirtschaftspolitische Agenda unterstützt die auf Billiglohnarbeit basierende Weltwirtschaft. Mit dem Niedergang der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik erhebt sich der Neoliberalismus als dominierendes ökonomisches Paradigma.

Die strukturelle Anpassung in den Entwickelten Ländern

Dieser allgemeine Zusammenbruch der Lebensstandards, der das Resultat einer makro-ökonomischen Agenda ist, beschränkt sich nicht länger auf die so genannten Entwicklungsländer. In den Vereinigten Staaten herrscht Massenarbeitslosigkeit und einige EU-Staaten, einschließlich Spanien, Portugal und Griechenland, haben außergewöhnlich hohe Arbeitslosenzahlen. Gleichzeitig sinken die Einkommen des Mittelstands, Sozialprogramme werden privatisiert und soziale Sicherungsnetze, einschließlich der Vorteile der Arbeitslosenversicherung sowie der Sozialhilfeprogramme werden gekürzt.

Der Minderverbrauch

Der allgemeine Zusammenbruch der Kaufkraft führt zu einer Rezession in der Konsumgüterindustrie. Die Rohstoffproduktion ist nicht auf die grundlegenden Lebensbedürfnisse (Nahrung, Wohnung, Sozialdienste usw.) der Mehrheit der Weltbevölkerung ausgerichtet. Es existiert ein Zwiespalt "Billiglohnarbeitern" arbeiten und den "Konsumenten".

Die fundamentale Ungerechtigkeit dieses weltweiten Wirtschaftssystems ist, daß "diejenigen, die arbeiten" sich nicht leisten können, was sie herstellen. Mit anderen Worten fördert der Neoliberalismus den Massenkonsum nicht. Ganz im Gegenteil: Die Entwicklung extremer sozialer Ungleichheit, sowohl innerhalb als auch zwischen den Staaten, führt zur Rezession bei der Produktion notwendiger Waren und Dienstleistungen (einschließlich Nahrung, Sozialwohnungen, dem Gesundheitswesen und der (Aus)bildung).

Der Mangel an Kaufkraft "jener, die produzieren" (ganz zu schweigen von den Arbeitslosen) führt zu einem Kollaps der Gesamtnachfrage. Andererseits besteht gleichzeitig ein Bedarf in der Nachfrage "hochwertiger Luxusgüter" (ein weit gefasster Begriff) in der oberen Einkommensschicht der Gesellschaft.

Waffen und Luxusgüter. Die beiden dynamischen Bereiche der Weltwirtschaft


Grundsätzlich besteht die treibende Kraft für das wirtschaftliches Wachstum der Märkte aus den Bedürfnissen der oberen Einkommensschichten (Luxusmarken, Reisen und Freizeit, Luxusautos, Privatschulen und -kliniken etc.), während weltweite Armut zum Minderverbrauch bei der großen Mehrheit der Weltbevölkerung beiträgt.

Die weltweite Billiglohnarbeit ist Auslöser von Armut und dem Minderverbrauch notwendiger Waren und Dienstleistungen.

Die beiden dynamischen Sektoren der Weltwirtschaft sind:
  1. Die Produktion für die oberen Einkommensschichten der Gesellschaft .

  2. Die Produktion von Waffen und deren Einsatz, namentlich der Militärisch Industrielle Komplex.
Die neoliberale Politik führt zu der Entwicklung einer weltweiten Billiglohn-Wirtschaft, die den Niedergang der Produktion notwendiger Konsumgüter verursacht (Marx, Kapital IIa).

Im Gegenzug verursacht ein Mangel bei der Nachfrage notwendiger Waren und Dienstleistungen ein Vakuum bei der Entwicklung sozialer Infrastruktur und Investitionen (Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Verkehrsmittel, Gesundheitswesen etc.) zur Unterstützung des Lebensstandards der großen Mehrheit der Weltbevölkerung,

Die weltweite Billiglohn-Wirtschaft erschafft gemeinsam mit der Restrukturierung des globalen Finanzapparates eine beispiellose Konzentration von Einkommen und Wohlstand, die mit der dynamischen Entwicklung der Luxusgüterindustrie (breit definierter Begriff) einhergeht. (Marx, Kapital IIb).

Sektion III in der gegenwärtigen Weltwirtschaft besteht in der Produktion von Waffen, die weltweit meist an Regierungen verkauft werden. Dieser Produktionszweig wird in den Vereinigten Staaten von einer Handvoll Großkonzernen, einschließlich Lockheed Martin, Raytheon, Northrop Grumman, British Aerospace, Boeing, et al., beherrscht.

Während die neoliberale Politik des Verhängens drastische Sparmaßnahmen bedarf, betreffen letztere nur den zivilen Sektor staatlicher Finanzierung. Die staatliche Finanzierung moderner Waffensysteme ist nicht Gegenstand von Budgetkürzungen.

Tatsächlich beabsichtigen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen, der Bildung, der öffentlichen Infrastruktur usw. die Ermöglichung der Finanzierung der Kriegsindustrie, einschließlich der des Militärisch Industriellen Komplexes, der aus weltweit 700 regionalen Einrichtungen bestehenden Kommandostrukturen, des Geheimdienst- und Sicherheitsapparats, ganz zu schweigen von der Entwicklung einer neuen Generation von Nuklearwaffen, die Gegenstand einer Billiarden schweren Zuteilung durch das US-Finanzministerium an das Verteidigungsministerium ist. Dieses Geld rieselt letztlich in den so genannten Verteidigungssektor hinunter, der eine mächtige politische Lobby darstellt.

Die Fortpflanzung dieses globalen Wirtschaftssystems hängt vom Wachstum und der Entwicklung zweier großer Sektoren (Unternehmensbereichen) ab: Dem Militärisch Industriellen Komplex und der Produktion von hohen Einkommen und Luxuskonsum.

Der Konsum hochpreisiger Luxusgüter für die obere Gesellschaftsschicht ist mit der dynamischen Entwicklung der Waffen- und Kriegsindustrie verknüpft. Diese Dualität erzeugt Ausgrenzung und Verzweiflung.

Sie kann nur durch die Kriminalisierung des Krieges, die Schließung der Waffenindustrie und die Abschaffung der Palette neoliberaler Politikinstrumente, die Armut und soziale Ungleichheit erzeugen, durchbrochen werden.

Wie sich die Flut aus Krieg und Globalisierung abwenden läßt


Die Bürgerinitiativen sind gekapert worden. Die Friedensbewegung ist erloschen. Die Organisationen der Zivilgesellschaft, die alle den Eindruck machen "fortschrittlich" zu sein, sind Kreaturen des Systems. Finanziert durch Wohltätigkeitsunternehmen mit Verbindungen zur Wall Street, bilden sie eine politisch korrekte "Opposition", die sich wie "ein Sprecher für die Zivilgesellschaft" verhält.

Aber wen vertreten sie? Viele der "Partner NGOs" und Lobbygruppen, die regelmäßig unter Bürokraten und Politiker mischen, haben wenig Kontakt zu sozialen Graswurzelbewegungen und Bürgerinitiativen. In der Zwischenzeit dienen sie der Umlenkung des Ausdrucks "wahrhaft" sozialer Bewegungen gegen die "Neue Weltordnung". Während das neoliberale Paradigma im Fokus ihrer Aufmerksamkeit steht, kommt ein breiter Fächer an Fragen zu Krieg und Regime Change kaum je zur Sprache.

Die Programme vieler NGOs und Bürgerbewegungen hängen sehr von sowohl öffentlichen als auch privaten Spenden, einschließlich jener der Ford-, Rockefeller- und McCarthy- und anderen Stiftungen, ab.

Die anti-Globalisierungsbewegung widersetzt sich der Wall Street und den texanischen Öl-Giganten, die von Rockefeller und anderen kontrolliert werden. Dennoch werden die Stiftungen und Wohlfahrtsorganisationen von Rockefeller und anderen, hinsichtlich des ultimativen Überblicks und der Gestaltung ihre zahlreichen Aktivitäten, großzügig sowohl an progressive antikapitalistische Netzwerke als auch an Umweltbewegungen (die sich den Erdölkartellen widersetzen) spenden.

Der Mechanismus des "fabrizierten Widerstands" benötigt eine manipulative Umgebung, einen Prozess von Überredungskunst und subtiler Gleichschaltung von Individuen innerhalb progressiver Organisationen, einschließlich der Friedensbewegung, der Umweltbewegung und der Antiglobalisierungsbewegung.

Das Ziel der Unternehmenseliten war es, die Bürgerbewegung in ein riesiges "do it yourself" Mosaik zu fragmentieren. Krieg und Globalisierung bilden nicht mehr die Spitze des zivilen Sozialaktivismus. Der Aktivismus tendiert dazu sich zu vereinzeln. Es gibt keine gemeinsame Friedens- und Antiglobalisierungsbewegung. Die Verbindung zwischen der Wirtschaftskrise und dem von den Vereinigten Staaten angeführten Krieg wird nicht wahrgenommen.

Der Widerstand ist unterteilt worden. Einzelne "problemorientierte" Protestbewegungen (bspw. die Umwelt, die Anti-Globalisierung, die den Frieden, die Frauenrechte und den Klimawandel betreffende) werden ermutigt und, im Gegensatz zu einer zusammenhängenden Massenbewegung, großzügig finanziert. Dieses Mosaik hat sowohl bei den Demonstrationen gegen die G7 Treffen als auch beim Weltsozialforum schon überhand genommen.

Die Entwicklung eines breiten Graswurzelnetzwerks


Hierzu ist erforderlich  die "kontrollierte Opposition" durch die Entwicklung eines breiten, bodenständigen Graswurzelnetzwerks, das sich um die Deaktivierung autoritärer Muster sowie die Verhinderung von Beschlüssen zu Kriegen und der neoliberalen Agenda  bemüht, endgültig zu zerschlagen. Es versteht sich von selbst, daß militärische Einsätze der Vereinigten Staaten (einschließlich der von Nuklearwaffen) letztlich nur der Unterstützung mächtiger ökonomischer Interessen dienen.

Dieses Netzwerk würde auf allen gesellschaftlichen Ebenen, in Städten und Dörfern etabliert werden, und auf Arbeitsplätzen und in sowohl nationalen wie internationalen Kirchengemeinden. Gewerkschaften, Bauernverbänden, Berufsorganisationen, Handelskammern, Studentenvereinigungen, Veteranenverbände und Kirchengruppen wären zur Integration der organisatorischen Struktur der Friedensbewegung aufgerufen. Von wesentlicher Bedeutung ist, daß diese Bewegung in die Streitkräfte hineinreichen sollte um die Vorstellung von der Legitimität des Krieges unter den Soldaten und Soldatinnen zu aufzubrechen.

Die erste Aufgabe bestünde darin die Kriegspropaganda durch eine effektive Kampagne gegen die Desinformation durch die Medien auszuschalten. Die Medienunternehmen direkt herauszufordern würde zu einem Boykott der großen Nachrichtenkanäle führen, die für die Kanalisierung der Desinformation in der Nachrichtenkette verantwortlich sind. Dieses Unterfangen würde einen parallelen Prozeß der Sensibilisierung und Ausbildung der Mitmenschen auf der untersten Ebene (der Basis / Anm. d. Übers), sowohl über die wahre Natur des Krieges und die der weltweiten Wirtschaftskrise als auch darüber erfordern, wie "dieses Wissen" durch zeitgemäße Vernetzung, bspw. durch alternative Medienkanäle im Internet etc. verbreitet werden kann.

Der Aufbau einer solchen Bewegung, welche die Legitimität der Struktur der politischen Autorität entschieden hinterfragt, ist keine leichte Aufgabe. Es würde eine, in der Weltgeschichte bisher nie dagewesenen Grad an Solidarität, Einigkeit und Verbindlichkeit erfordern. Es würde erfordern politische und ideologische Grenzen innerhalb der Gesellschaft zu durchbrechen und einstimmig zu handeln. Schließlich würde es auch erfordern, die Kriegsverbrecher abzusetzen und sie wegen Kriegsverbrechen anzuklagen.


Der Text von Michel Chossudovskys Grundsatzreferat vor der nationalen Konferenz der Philippine Sociological Society (PSS) an der University of the Philippines in Cebu vom 7. Oktober 2017.

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Michel Chossudovsky ist preisgekrönter Autor und emerierter Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Ottawa, Gründer und Direktor des Centre for Research on Globalisation (CRG) in Montreal sowie der Herausgeber von Global Research. Als Gastprofessor hat er in Westeuropa, Südostasien, im Pazifischen Raum und in Lateinamerika gelehrt und war als Berater für verschiedene internationale Organisationen in Entwicklungsländern tätig. Er ist Autor von elf Büchern, einschließlich "The Globalization of Poverty", "The New World Order" (2003), America’s “War on Terrorism” (2005), "The Global Economic Crisis", "The Great Depression of the Twenty-first Century" (2009) (Herausgeber), "Towards a World War III Scenario: The Dangers of Nuclear War" (2011), "The Globalization of War", "America's Long War against Humanity" (2015). Er ist Beitragender der Encyclopaedia Britannica. Seine Texte wurden in über zwanzig Sprachen veröffentlicht. Im Jahr 2014 erhielt er die Goldmedaille für Verdienste um die Republik Serbien für seine Schriften über den Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien.



Quelle: https://www.globalresearch.ca/from-global-poverty-to-exclusion-and-despair-reversing-the-tide-of-war-and-globalization/5611619


Zuletzt editiert: 8. Oktober 2017, 11:24 Uhr

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