Mittwoch, 7. Februar 2018

Afghanistan: Die nächste Angriffswelle

Von Brigadegeneral Simon Sharaf via VT
Übersetzt von wunderhaft




2. Februar 2018, Veterans Today
Laut VS-Medien, steht die nächste Angriffswelle der Vereinigten Staaten in Afghanistan bevor. Sicher ist, daß diese, nicht wie die von Obama, im Nichts enden wird, noch wird sie auf der von General David Petraeus verfochtenen Strategie der Aufstandsbekämpfung beruhen, der davon überzeugt ist, daß es unsinnig ist Pakistan zu anzugreifen. Daß sie die  Zustimmung des einstigen JSOC*-Generals und einer militärischen Sondereinheit für das Unmögliche erhält ist unwahrscheinlich, weil auch er an einen politischen Waffengang glaubt. Wahrscheinlich bedeutet es den Krieg mit einer schlecht kalkulierten Kosten-Nutzen-Analyse nach Pakistan zu tragen.

Mehr Bodentruppen auf feindlichem Terrain zu konzentrieren, was den Gegner in einer ohnehin verlorenen Sache bevorteilt, ist unrealistisch. Den Streitkräften der VS fehlt es an Übung und Einsätzen zum Führen von Bodenkriegen. Aufgrund der Kriegsmüdigkeit und Kriegsopfer der vergangenen fünfzehn Jahre, erscheint ein militärischer Vorgehen unwahrscheinlich. Welche Form wird dieser Herzen und Verständnis verzehrende Wahnsinn also annehmen? Die jüngsten Nachrichten deuten darauf hin, daß Militärkommandeure eine Carte blanche zur Verletzung von Pakistans Luft- und Bodengrenzen besitzen, um internationale diplomatische Krisen zu erzeugen. Generäle und nicht Politiker werden die Schlagzahl der Konflikte bestimmen. Die Diplomatie wird nur ein Löschzug sein.

Präsident Trump ist ein verspäteter Konvertierter. Während der vielen Besprechungen im Außenministerium, bei der CIA und im Pentagon hat er gelernt, daß die Staatskunst in den Händen von einem unsichtbaren Staat gelenkt wird, der kaltblütig ist und weit über menschlichen Emotionen hinausreicht. Im August 2017 hat er Abbitte geleistet und einen militärische Strategieänderung mit der Aussicht angekündigt, daß die VS sich hauptsächlich mit dem "Töten und nicht mit Staatsbildung" beschäftigen werden. Mit einem scheußlichen Tweet hat er die Katze aus dem Sack gelassen.

Strategie- und Militäranalysten haben sich gefragt, wie ein Sieg möglich sein würde, wenn der Großteil der NATO- und VS-Streitkräfte bereits abgezogen und viele der von den VS errichteten Stützpunkte für afghanische Streitkräfte und ethnische Minderheiten des Landes evakuiert worden wären. Wenn es am Ende heißt, daß Beziehungen keinen Frieden bedeuten, verbleibt als einzige Option breit gefächerte Nötigung.

Diese auf Geheimdienstarbeit beruhenden Operationen könnten dem entgegenwirken, doch zu welchem Zweck? Der verdeckte Einsatz von Gewalt, ein nicht-kinetischer Angriff (Pakistans) mit ein paar gesichtswahrenden Drohnen, der Einsatz von Verbündeten (Indien) und der verlängerte Arm wird sich auf Pakistan konzentrieren. Der Krieg wird, anstatt durch Politik, von einem unsichtbaren Arm geführt.

Der Konflikt in Afghanistan besitzt überwiegend eine soziale Dimension der Kriegsführung (Michel Howard, Forgotten Dimensions of Strategy), und ohne den Beginn des Kampfes um die Herzen und das Verständnis, werden alle anderen Methoden scheitern. Obwohl die Vereinigten Staaten von Amerika über eine kleine Gruppe intelligenter, im Westen ausgebildeter Afghanen in Regierungsämtern verfügen und sich in glühender Rhetorik üben, ist die Mehrheit der VS-Interventionen müde. Wenn die VS hauptsächlich töten und keinen Staat bilden werden, bleibt die Frage nach dem Sieg offen.

Die katastrophale Situation in Afghanistan ist keine späte Erkenntnis. Sie ist ein Eingeständnis, daß die VSA nie machen wollten. Sie basiert auf einer zur Destabilisierung fähigen Darstellung. Die VSA wollen in dieser Sackgasse bleiben. Es geht nicht um Afghanistan, sondern um die drohende Aufweichung des Sicherheitsrings (Nation: January 20, 2018, End of Geostrategy).

Unmittelbar nach Präsident Trumps Gesinnungswechsel, haben amerikanische Medien und Forschungsorganisationen mit der Suche nach der Wahrheit begonnen. Sie haben wiederholt Karten darüber erstellt, wer was kontrolliert. Es war ein Blick vom gebrochenen Ende des Prismas mit einer farbenblinden Vision. Obwohl diese Graphiken irreführend sein können, sind sie auch aufschlußreich. Die Optionen und Schlußfolgerungen waren alarmierend und haben Vorstellungen darüber genährt, daß weder die VSA noch die Afghanische Nationalarmee  die Lage unter Kontrolle hatten. Am alarmierendsten war die Charakterisierung der Gegner. Anschließend haben das Long War Journal, Foreign Policy und die New York Times nach von ihnen erstellten Karten, eine Geschichte ersponnen, die einen Einsatz notwendig machten:

Von War Lords, Kriminellen und Stammeshäuptlingen dominierte  Hohlräume haben in Afghanistan durch das letzte Jahrhundert hindurch existiert. Diese sind von der Sowjetunion mit Geld beschwichtigt worden, jedoch desertierten sie, als ihnen die CIA mehr davon gab. Ergänzend hierzu ist Afghanistan durch zahlreiche Bündnisse aller Art zusammengehalten worden. Die VSA sind halbherzig im Umgang mit ihrem vierseitigen Dialog, von dem China so begeistert wäre. Die Anwendung von sanfter Gewalt zur Lösung einer Krise ist ein Fluch. Trump redet knallhart und will Härte zeigen. Sie wollen China und Rußland nicht in ihre jüngsten Pläne einbinden.

Die Kontrolle egal welcher Region hängt von inneren und äußeren Kommunikationsstrukturen ab. Afghanistan bietet eine Situation, in der alle Ausdehnungen und Hohlräume von gegnerischen Kräften dominiert oder kontrolliert werden. Die umfassend von ihnen durchsetzten urbanen Zentren sind kleine Taschen, wo amerikanische und afghanische Kräfte sich eines gewissen Maßes an Kontrolle erfreuen. Die Vernetzungen dieser verstreuten Schanzen sind verwundbar und gefährlich. Die Verbindung auf dem Luftweg reduziert zwar die Reaktionszeit, verbessert jedoch die Kontrolle nicht. Sicherlich zeugt das wenig von konventionellem, militärischem Denken in Gebirgsregionen.

Das Long War Journal kritisiert diese Politik und schreibt, daß das VS-Militär diese von den Taliban kontrollierten und umkämpften ländlichen Regionen als "weniger wichtige Gebiete" mit "geringerer strategischer Bedeutung" beschreibt. Es schließt mit der Bemerkung, daß keine der Seiten in der Lage ist zu gewinnen. Es betrachtet die Lagebeurteilung durch die CIA und das Pentagon als ebenso optimistische Desinformation wie die in der Schlußphase des Vietnamkriegs. Die VSA sind nicht aus Vietnam ausgeschieden, haben sich jedoch zurückgezogen. Es sind diese unbedeutenden ländlichen Regionen, von wo aus die Widerstandskräfte ihre Operationen in den urbanen Zentren führen und solche, die die VSA gegen die Sowjets benutzt haben,

Wenn eine Strategie rätselhaft ist, ist eine folgerichtige, abschließende Beziehung unmöglich. Präsident Trump beweist, daß ein Teil seiner Informationen aus Mythen besteht.

Die Analysen verschiedener, seit 2009 erstellter Karten erzählen eine andere Geschichte.

Die einzige Konstante ist eine von Afha H. Amin im Jahr 2009 erstellte Karte, die der von General A. McChristel in dessen Memoiren aus dem Jahr 2013 erstellten auf bemerkenswerte Art ähnelt. Die große Enthüllung ist das Bild verschiedener, durch Ideologie, Macht, Geld und Drogen miteinander verbundener Stämme des afghanischen Widerstands. Bei diesen handelt es sich um Taliban, die von Pakistan, Indien, dem Iran und Rußland aus unterstützt werden, um Warlords, für die Unruhe ein einträgliches Geschäft ist, Kriminelle, die Drogen- und Waffenschmuggel-Mafia und die Grauen, die als Auftragnehmer dazwischenfunken. Es gibt keine Befehlszentrale, obwohl sie über 70% des afghanischen Territoriums kontrollieren, was die Vereinigten Staaten von Amerika als Hohlräume bezeichnen.

In den Tagen als ISIS noch Gestalt annahm, hat die New York Times am 14. Juni 2017 berichtet, daß Tora Bora, die Gebirgsschanze, die einst Osama bin Laden als Festung gedient hat, an den Islamischen Staat gefallen ist, was für die Extremisten ein bedeutsamer strategischer und symbolischer Sieg gewesen sei.

Strategisch könnte diese Macht dem Iran, Rußland, China und Pakistan Ärger bereiten. Symbolisch erklärt es, warum dies geschehen ist und ist und welche Maßnahmen noch in der Zukunft liegen (Nation, 17 July 2017: Tora Bora, The emerging redoubt). Sind das die Vorzeichen einer neuen Angriffswelle?

Im August 2017 hat die New York Times diese Geschichte mit einem Plan bekräftigt, der sehr genau zu und aufschlußreich sein scheint. Er bestätigt die Zweifel, daß die VSA und Afghanistan entweder entweder an der Situation mitschuldig oder zu schwach sind sie unter Kontrolle zu bringen, was tödlicher ist als das Haqqani-Netzwerk*.

Entlang der pakistanisch-afghanischen Grenze von Chitral bis Chagai war die Präsenz von ISIS mit roter Farbe markiert. Laut den Russen war dieser Anstieg durch die VSA ermöglicht worden. In der Provinz Nangarhar war die Konzentration der Gruppen besonders hoch. Es handelte sich um die von Fazal Ullah* angeführte TTP*, um Jamat ur Ahrar* (in den Distrikten Mohmand* und Bajaur) und um Afghanen. TTP-Mitglieder mit afghanischen Reisedokumenten haben sich bereits bis nach Kunar* in Nuristan ausgebreitet. Einige der panjabi-*, belutschi-* und sindhi-sprachigen* Mitglieder haben Heiligtümer in Kandahar und Helmand. Mit Hilfe sunnitischer Dissidenten aus dem Iran, genießen sie externe Unterstützug aus den Golfstaaten. Auch teilen sie dieselbe Ideologie mit den im Iran lebenden Dschundollah*.

Die von diesen Schanzen ausgehenden Gefahren für Pakistan waren im Jahr 2017 dermaßen hoch, daß pakistanische Boden- und und Sondereinheiten Infanterieoperationen starten und die Tora Bora gegenüberliegenden Täler und das dortige Terrain durchpflügen mußten.

Es wird erwartet, daß während dieser Angriffswelle eine Politik mit Zuckerbrot und Peitsche über Pakistan verhängt werden wird. Beschwichtigungen werden aus Hilfslieferungen und Versprechen weiterer Hilfe bestehen. Aber mit fortschreitender Zeit wird die Peitsche größer und das Zuckerbrot kleiner werden. Pakistan muß die Strategie des offenen Ungehorsams mit friedlichen Mitteln fortsetzen und die VSA den Einsatz erhöhen lassen. Die soziale Dimension des Konflikts geht zu Pakistans Gunsten aus.

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Der Autor ist Volkswirtschaftler und Fernsehmoderator


Quelle: https://www.veteranstoday.com/2018/02/02/afghanistan-the-new-surge/


Sämtliche Links wurden zusätzlich eingefügt.


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